Wegmarkierung des Kungsleden

Kungsleden 2016: Prolog – All In

Jede Idee fängt einmal klein und harmlos an – dieser Prolog beginnt in der Weihnachtszeit

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Fünf Jahre zuvor:

Im Jahr 2010 waren wir ganze vier Wochen mit dem Wohnmobil in Schweden unterwegs (von Südschweden bis nach Abisko im Norden) und 2011 dann weitere vier Wochen in Norwegen und Schweden (norwegische Küste über dem Polarkreis, Lofoten, Vesterålen, Tromsø und dann auf dem Inlandsvägen wieder nach Süden). Diese Touren zählen zu unseren schönsten Urlauben und wir haben uns beide in den hohen Norden verliebt. Zu einer weiteren Wohnmobiltour ist es aber mangels 4 Wochen Urlaub am Stück nie gekommen und für 2-3 Wochen ist es mit >10.000 Kilometer pro Tour einfach viel zu weit.

In der besinnlichen Weihnachtszeit:

Auf dem Sofa, im gut geheizten Haus, bei einem Teller Weihnachtskeksen, da hat Elisabeth die zündende Idee, was wir mit 3 Wochen Urlaub im Juli anstellen könnten: Eine Trekkingtour auf dem Kungsleden, dem wohl berühmtesten Fernwanderweg im hohen Norden. Ich bin a.) überrascht und b.) augenblicklich begeistert. Machen wir!
Eigentlich sind wir ja Camper – mit einem sinnbildlich bis zur Dachkante vollgeladenen Wohnmobil und einem Gesamtgewicht von wohlwollend ausgelegten 3,5 Tonnen. Mit komfortablem Doppelbett, Dusche, Weber Griller und 125er Roller in der Heckgarage. Jeder Menge Nahrungsmittel und – je nach Land – vor Ort gekauftem Wein oder in weiser Voraussicht mitgebrachtem Wein. Hab ich die Kaffeemaschine an Bord erwähnt?

Gut, diesmal also nicht. Zwei Rucksäcke. Ein Zelt.

Kein Wein.

Die freien Tage zu Weihnachten sind die ersten Tage unserer Recherche, und es gibt viel zu recherchieren! Wir haben nämlich noch nie mehr als eine Tagestour bestritten (keine Hüttentouren, keine Zelttouren) und haben uns danach nach einer heißen Dusche bei gutem Essen erholt. Hab ich den Wein erwähnt?
Irgendwo auf der Strecke zwischen Alesjaure und Tjäktja haben wir einen jungen Norweger getroffen, mit dem wir länger geplaudert haben. Ihm haben wir diese Anekdote erzählt – eine dreiwöchige Tour als Trekking-Einstieg – und von ihm stammt der Kommentar, der den Titel dieses Posts prägt: “All in”.
Also die Recherche: wir brauchen so ziemlich alles. Ein Zelt, Schlafsäcke, Isomatten. Große Trekkingrucksäcke. Einen Kocher. Abend für Abend verbringen wir Stunden online in diversen Outdoorforen und Outdoorblogs, bis wir alles wissen, was zu wissen es gibt und wir von der Fülle an widersprüchlichen Ansichten fast erschlagen werden. Jänner bis März ist – zu unserem Glück – die große Abverkaufszeit bei Amazon und den großen deutschen Outdoorshops (Bergzeit, Bergfreunde, Globetrotter, campz, walkonthewildside). Rabatte von -30% bis -60% sind sehr hilfreich, wenn man viel braucht! Bei der Gelegenheit wird auch unsere Wanderbekleidung vervollständigt, v.a. div. Merino Baselayer in kurz und lang, Powerstretch Fleeces und Daunenjacken. Und natürlich brauchen wir ordentliche Wanderschuhe – sind wir die letzten Jahre doch meistens mit FiveFingers oder Trailrunnern wandern gewesen. Da sind wir beim Mörtz in Wien fündig geworden, Lowa Lavena II GTX für Elisabeth und Lowa Tibet GTX für mich. Eine große Lustwandler-Empfehlung an dieser Stelle für den Mörtz, das ist noch ein richtiges Fachgeschäft mit ausgezeichneter Beratung!
Parallel dazu plane ich an der Route und Elisabeth plant, wie wir auf der Tour nicht verhungern, immer mit kritischem Blick auf das Gewicht. Ohne etwas vorweg nehmen zu wollen: es gab tatsächlich keinen Wein!
Wir springen nun in den April und es hat sich viel getan. Bei uns im Wohnzimmer liegt überall Ausrüstung verteilt und es gibt eine Excel-Tabelle, wo jeder Ausrüstungsgegenstand mit dem exakten Gewicht vermerkt ist. Ja, da kommt ganz schön was zusammen. Die ersten Zahlen zeigen an die 22kg bei Elisabeth und über 28kg bei mir. Nein, so geht das nicht. Sicher nicht!
Nach ein paar Optimierungen sind wir bei 18kg bei Elisabeth und 24kg bei mir. Mit Essen und Wasser wohlgemerkt. Schon besser. Bei mir sind auch 4kg Fotoausrüstung eingerechnet, ich hab ja wirklich lang überlegt, die Spiegelreflex zu Hause zu lassen und nur die kleine spiegellose Kamera mitzunehmen, das wären nur 800g – aber es dann doch nicht übers Herz gebracht. Schlussendlich hatte ich die 5d mit zwei Objektiven mit, dem 16-35/4 IS und dem 70-300/4-5,6 IS, alles verpackt in einer wasserdichten Kalahari Tasche, die mit selbst geplanten und von Sissy vernähten Aufhängungen vorne an den Schultergurten meines Rucksacks befestigt wurde – 24kg tragen sich verteilt auf 4 + 20kg gleich viel besser!
Wir wussten also, was auf uns zukommt – Zeit für ein paar Trainingstouren. Also Sandsäcke gefüllt, in die Rucksäcke hinein und auffi aufn Berg. Die erste Tour, einfach auf den Größenberg in Bad Fischau. Trainingsgewicht Elisabeth mit 12kg, ich mit 16kg. Uff. Nicht lustig. Schon nach kurzer Zeit zwickt/krampft irgendwas bei der Hüfte. Und das bei einer einfachen Tour und unter dem Zielgewicht – nicht motivierend.
Ein paar Tage später gehen wir die gleiche Tour wieder – ah, geht schon besser, unsere Körper passen sich an. Ein paar Tage später wieder mit 14kg und 18kg. Diesmal läuft es schon richtig gut – liebe Grüße an die Spaziergänger in Bad Fischau, die uns mit unseren großen Rucksäcken doch sehr verwundert angeschaut haben.
Es wird Zeit für eine größere Tour und wir wählen den Enziansteig in Thal, rauf zur Enzianhütte und runter über den Mareschsteig. Das sind rund 700 HM und 14 KM, diesmal mit 16kg und 20kg. Der Aufstieg war wirklich heftig mit dem Gewicht, die Blicke auf der Enzianhütte (Pause!) fallen schon gar nicht mehr auf. Eine Woche später gehen wir die fast gleiche Tour mit kleinen Tagesrucksäcken und da fliegen wir förmlich hinauf. Was so ein paar Kilo doch für einen Unterschied machen.
Aber es hilft nichts, daher eine Woche vor dem Abflug nach Schweden die letzte Trainingsrunde: Längapiesting/Schober/Öhler, rund 850 HM und 10 KM mit 18 bzw. 24kg Gepäck, also dem Zielgewicht. Der Aufstieg bringt uns wieder an die Grenzen (vor allem die hohen Schritte bei der Überschreitung), aber in Summe haben wir auch die letzte Trainingstour gut geschafft. In Schweden haben wir im Schnitt nur um die 300 HM pro Tag zu überwinden – wir fühlen uns bereit! Schweden wir kommen!

Blick zum Schneeberg, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/320s, Blende 8, ISO 100
Blick vom Schober zum Schneeberg, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 20mm, 1/200s, Blende 6.3, ISO 100
Aufstieg mit 18kg (Schober/Öhler), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 70mm, 1/10s, Blende 5.6, ISO 100
4kg vorne dank Spezialkonstruktion, 20kg am Rücken (Schober/Öhler), © Elisabeth Zenz — Panasonic DMC-LX100, 72mm, 1/15s, Blende 5.6, ISO 200
Servas die Wadln (Schober/Öhler), © Elisabeth Zenz — Panasonic DMC-LX100, 24mm, 1/20s, Blende 5.6, ISO 200

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2 Wordpress replies
  1. Manfred
    Manfred says:

    So, jetzt komm ich auch endlich mal zum Lesen.
    Und es liest sich guuuut. Und ich hab jetzt schon richtig Lust 🙂
    LG, Manfred

    Reply
    • Markus
      Markus says:

      Hej Manfred, herzlich willkommen, freu mich, hier von Dir zu lesen 🙂
      In den nächsten Tagen stellen wir den Bericht fertig und die Planungen für den kommenden Sommer sind schon angelaufen!

      Reply

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