Fjällbirkenwald im Abisko Nationalpark

Tag 1: Von Lichtenwörth in den Abisko Nationalpark (3.150km)

Flug Wien – Stockholm – Kiruna, Taxi Kiruna – Abisko, 4km Wanderung

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Endlich ist es so weit, es geht los! Um 4 Uhr läutet der Wecker – trotz Vorfreude entschieden zu früh, nachdem wir nach Rucksackpacken und Checklisten abhaken erst um 2:30 ins Bett gekommen sind. Um 4:30 holen uns Sissy und Karl ab, die uns dankenswerterweise um diese Höllenzeit zum Flughafen fahren. Um 5:30 betreten wir mit unseren 16,5 bzw. 23 kg schweren Rucksäcken den Terminal – bei der Gepäckabgabe heißt es dann gleich: ab zum Schalter für Großgepäck. Wir erfahren erst auf Nachfrage, dass unser Gepäck nicht durchgecheckt wird – das heißt, wir müssen die Rucksäcke in Stockholm vom Gepäckband abholen und neu aufgeben. Gut zu wissen – was wäre ärgerlicher, als in Kiruna auf Rucksäcke zu warten, die auf dem Stockholmer Flughafen traurig ihre Runden drehen?
Von hier gehts weiter zur Sicherheitskontrolle. Als normalerweise Handgepäckreisende haben wir alle Flüssigkeiten vorschriftsmäßig im 1-Liter-Beutel verstaut, trotzdem wird uns die Hirschtalgsalbe abgenommen, da die Füllmenge der Verpackung die erlaubten 100ml knapp übersteigt, unerheblich, dass nur mehr 3/4 in der Tube sind. Hätten wir das ganze Zeug im Rucksack abgegeben, wäre alles kein Problem gewesen. Die Sicherheitsleute kennen kein Pardon und unsere Füße müssen nun 3 Wochen ohne Spezialpflege auskommen. Na gut, passiert uns auch kein zweites Mal.
Nun gehts weiter zum Gate, wo wir bald erfahren, dass wir 30min Verspätung haben und ein neues Flugzeug und ein neues Gate bekommen. Um 7:15 heben wir Richtung Stockholm ab. Der Flug führt über Tschechien und Polen über die Ostsee nach Stockholm. Beim Anflug haben wir einen wunderschönen Blick auf die Schärengärten und die Stockholmer Innenstadt.
Nachdem wir unser Gepäck abgeholt und wieder aufgegeben haben, heben wir 6.000 Kronen ab (entspricht 632 Euro), mit denen wir auskommen sollten – auf den Hütten kann man ja nach Auskunft auch mit Kreditkarte bezahlen. Wir setzen uns vor dem Flughafen ein bisschen in die Sonne, dann gönnen wir uns um 11 Uhr ein Mittagessen. Markus bestellt kurz vor 11 ein Bier, der Kellner entschuldigt sich: Alkohol darf in Schweden erst ab 11 Uhr ausgeschenkt werden und er bittet noch um ein bisschen Geduld. Tja, die durstigen Österreicher! Nach Steaks und Pommes – die letzte frische Mahlzeit für längere Zeit – geht es Richtung Gate, natürlich wieder durch die Sicherheitskontrolle. Diesmal müssen wir beide die Wanderschuhe ausziehen. Bei Markus schlägt noch dazu eine routinemäßige Sprengstoffkontrolle an, die ihn ein bisschen nervös werden lässt. Warum? Tja, das verraten wir noch nicht. Alles zu seiner Zeit!
Am Gate begegnen wir Peter aus Dänermark, der gemeinsam mit seiner Freundin nach Leuten sucht, die nach Abisko wollen und Interesse haben, sich ein Taxi zu teilen. Unser Flug landet nämlich exakt 15 Minuten NACH dem letzten Bus nach Abisko und auch der letzte Zug fährt zeitlich zu knapp. Wir hatten eigentlich damit gerechnet, eine Nacht am Campingplatz in Kiruna bleiben zu müssen und so nehmen wir das Angebot dankend an und auch eine junge Polin schließt sich uns an. Um 12:55 geht es nach 3,5 Stunden Wartezeit also Richtung Kiruna. Der Flug verläuft gut, doch bei der Landung setzt das Flugzeug sehr spät auf und der Pilot legt eine Vollbremsung hin und dann, man glaubt es kaum, schieben wir ein bisschen zurück, um die Kurve zum Terminal zu kriegen. Das sorgt natürlich für einiges Gelächter im Flugzeug!
Am Mini-Flughafen in Kiruna bekommen wir bald unser Gepäck, allein das Gepäck der Polin kommt nicht an. Wir erfahren später, dass sie nicht gewusst hat, dass das Gepäck nicht durchgecheckt wird – ein echtes Glück, dass wir gefragt haben! Sie muss nun in Kiruna bleiben und auf den nächsten Flug warten, der hoffentlich das Gepäck nachbringt. Peter treibt schnell noch 2 Schweden auf, die sich unserer Fahrt anschließen und so teilen wir uns zu sechst das Taxi für gesamt 2500 Kronen. Die Fahrt nach Abisko dauert 1,5 Stunden und ist recht mühsam, da der Taxler alle Zeit der Welt hat und die Straße immer wieder aufgegraben ist und man nur sehr langsam vorankommt. Wir kennen das ja – in unserem ersten Schweden-Jahr hatten wir genau auf diesem Untergrund unsere bisher einzige Reifenpanne am Wohnmobil.
Kiruna Airport, © Markus Proske — Panasonic DMC-LX100, 32mm, 1/1000s, Blende 6.3, ISO 200
Abisko Fjällstation, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 28mm, 1/640s, Blende 5.6, ISO 200
Um 16:30 erreichen wir die Fjällstation Abisko. Endlich geht es los! Wir kaufen noch eine Gaskartusche (darf man im Flugzeug ja nicht transportieren) und Mygga und Djungelöl (Spezialrezeptur für die einheimischen stechenden Biester) und packen unsere Rucksäcke um – vom Flugmodus in den Trekkingmodus. Flugmodus? Ja, nachdem Fluglinien für aufgegebenes Gepäck im Verlustfall nur rund 1300 EUR erstatten, haben wir das teure Zelt (ohne Gestänge/Heringe, aber das kann man recht günstig nachkaufen) und unsere Goretex Jacken/Hosen gemeinsam im Zeltsack als Handgepäck genommen, um den Wert der aufgegebenen Sachen zu reduzieren. Ein kleiner Lustwandler-Tipp für den Ernstfall 😉
Um 18 Uhr starten wir dann tatsächlich unseren Weg. Beim „Tor“ zum Kungsleden schießen wir die traditionellen Startfotos und treffen die ersten Wanderer, mit denen wir kurz plaudern. Für den heutigen Tag sind nur mehr 4km im Nationalpark geplant – diesen Teil kennen wir schon von unserer ersten Reise, wo wir hier schon ein bisschen in den Abisko Nationalpark hineingeschnuppert haben.
Start des Kungsleden in Abisko, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 29mm, 1/125s, Blende 8, ISO 200
Start des Kungsleden in Abisko, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/200s, Blende 5.6, ISO 200
Der Blick vom Start in den Nationalpark Abisko, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/100s, Blende 8, ISO 200
Der Abisko Nationalpark ist ein beliebter Ort für Tageswanderung, entsprechend breit ausgetreten sind die Wege. Unser Weg führt durch den ganzen Abisko-Nationalpark mit seinem charakteristischen dichten Fjällbirkenwald. Auf unserer Tour werden wir uns den Großteil der Strecke oberhalb der Baumgrenze aufhalten, wir sind schon weit im Norden, hier liegt bei Baumgrenze schon um die 550-650m. Zum Vergleich: der aus dem Prolog nun weit über die Region hinaus bekannte Größenberg in Bad Fischau ist 605m hoch.
Fjällbirkenwald im Abisko NationalparkFjällbirkenwald im Abisko Nationalpark, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 221mm, 1/100s, Blende 6.3, ISO 200
Wir gehen nun entlang des breiten Flusses Abiskojåkka, dessen Rauschen uns ständig begleitet und der in engen Canyons eine beachtliche Fließgeschwindigkeit erreicht. 2km nach dem Start erreichen wir an einer Biegung des Flusses den Marmorfelsen und im Hintergrund liegen die hohen Berge südlich von Abisko, die tatsächlich als “Abisko Alpen” bezeichnet werden.

Abiskojåkka, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/200s, Blende 13, ISO 200
Abiskojåkka, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 20mm, 1/250s, Blende 8, ISO 200
Marmorfelsen am Abiskojåkka, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 70mm, 1/320s, Blende 8, ISO 200
Fjällbirkenwald im Abisko Nationalpark, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 221mm, 1/100s, Blende 6.3, ISO 200
Feuchtstellen im Abisko Nationalpark, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 300mm, 1/160s, Blende 5.6, ISO 200

Die Vegetation entlang des Weges ist nun sehr dicht und der Weg führt teilweise durch Feuchtgebiete. Wir begehen die ersten Bohlenwege, die uns beiden ein Grinsen ins Gesicht zaubern – endlich wieder Bohlenwege! Über den Hauptarm des Nissonjohka, die hier in den Abiskojåkka mündet, führt eine lange, stark schwankende, Hängebrücke.
Elisabeth auf der Brücke über den NissonjohkaElisabeth auf der Brücke über den Nissonjohka, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 300mm, 1/160s, Blende 6.3, ISO 200
Im Nationalpark ist Zelten verboten (sonst gilt in Schweden das Jedermannsrecht), aber es gibt einen ausgewiesenen Zeltplatz. Der Platz ist kein Highlight, da finden wir im Lauf der Tour noch ganz andere Plätze. Bei unserer Ankunft zeltet schon ein Koreaner in einem winzigen 1-Mann Zelt und wir schlagen hier das erste Mal unser Zelt auf und schmeißen Z-Lite, Exped-Matten und Schlafsäcke hinein. Das Wetter war beim Gehen angenehm (ca. 18°C), aber nun wird es sehr schnell kälter, mit den Daunenjacken geht es aber gut. Wir essen unsere erste gefriergetrocknete Speise-Sackerl auf, kochendes Wasser bis zur Markierung auffüllen, umrühren – 10 Minuten ziehen lassen und fertig ist das Chili con Carne (Marke Travellunch: für eine Lustwandler-Empfehlung reicht es leider bei weitem nicht). Nach und nach kommen einige andere Leute, die ihr Zelt aufschlagen, unter anderem zwei Polinnen, die wir in den nächsten Tagen noch des öftereren sehen. Viele Gelsen verderben uns das Draußensitzen, außerdem wirds immer kälter. Wir verkriechen uns ins Zelt und um 23 Uhr mützeln wir nach diesem langen Tag schnell ein.
Zeltplatz im Abisko Nationalpark, © Markus Proske — Panasonic DMC-LX100, 28mm, 1/6s, Blende 5.6, ISO 200
Zeltplatz im Abisko Nationalpark, © Markus Proske — Panasonic DMC-LX100, 41mm, 1/20s, Blende 5.6, ISO 200
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