Nammásj und Skierffe

Tag 16: Aktse

Die Pforte zum Sarek

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Aktse ist die letzte Bastion vor dem Eingang in den Sarek. Es liegt direkt am Ende des Laitaure-Deltas mit Blick auf Tjahkelij, Nammásj und Skierffe. Hier haben Siedler bereits im Jahr 1830 der Natur mühsam ein Stück Land abgetrotzt. Sie haben ein Stück Wald gerodet und Sümpfe trockengelegt, um hier von Fischfang, Jagd und Viehzucht leben zu können. Die in diesem Jahrhundert entstandenen blühenden Wiesen werden heute noch gepflegt. Heute stehen ein paar einfache Gebäude auf diesen Wiesen, darunter zwei STF-Hütten. Aktse liegt nicht im Sarek Nationalpark, ebenso befindet sich das gesamte Laitaure-Delta noch immer in Privatbesitz – bisher sind alle Versuche, es anzukaufen und in den Nationalpark einzugliedern, gescheitert.
Von unserem Zeltplatz sind es auf direktem Weg rund 8km und 600 Höhenmeter (abwärts) bis Aktse. Wir wählen allerdings nicht den direkten Weg sondern gehen weglos möglichst nahe an der Geländekante, um weitere tolle Blicke in das Delta zu erhaschen.

Abstieg vom Skierffe auf alternativer Route, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/250s, Blende 11, ISO 200
Elisabeth beim Abstieg, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/320s, Blende 11, ISO 200
Abstieg begleitet von plätscherndem Wasser, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/160s, Blende 11, ISO 200
Abstieg vom Skierffe auf alternativer Route, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/160s, Blende 11, ISO 200
Laitaure-Delta und Skierffe, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 21mm, 1/125s, Blende 11, ISO 200
Aktse, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 116mm, 1/200s, Blende 11, ISO 200

Dabei erreichen wir einen tollen Aussichtspunkt unterhalb des Skierffe, wo das folgende Panorama entstanden ist, das einzige, bei dem der Skierffe selbst mit drauf ist [die anderen findet ihr im vorigen Post]. Unten im Tal, auf unserer Seite beim See, sieht man eine kleine freie rechteckige Fläche im Wald, das sind die Wiesen von Aktse.

Lustwandler Panorama: Ein Klick öffnet das Bild und man kann sich umsehen!

Panorama etwas unterhalb des Skierffe
Panorama etwas unterhalb des Skierffe, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 20mm, 1/125s, Blende 11, ISO 200
So schön unser Weg ist, er hat seine Schattenseiten – so nah an der Kante kommt man irgendwann nicht mehr weiter, wir müssen zurück ins Hinterland und damit leider auch eine überaus steile Flanke hinauf. In engen selbstgewählten Serpentinen und teilweise unter Zuhilfenahme der Hände kämpfen wir uns mit unserem schweren Gepäck hinauf und treffen dann nach fast einer Stunde wieder auf den normalen Weg.
Wir zwei beim Skierffe, © Markus Proske — Panasonic DMC-LX100, 24mm, 1/1000s, Blende 6.3, ISO 200
Elisabeth wieder einmal im Weidegestrüpp, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/160s, Blende 11, ISO 200
Laitaure-Delta und Skierffe, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 24mm, 1/125s, Blende 11, ISO 200
Auch heute haben wir wieder strahlendes Wetter und es wird warm, richtig warm. ☀️ Das kleine Thermometer am Rucksack springt schon vor Mittag über die 30°C Marke. Sobald wir wieder auf dem Hauptpfad sind, treffen wir auch wieder andere Wanderer, teilweise Tagesausflügler von Aktse auf dem Weg zum Skierffe und auch ein nettes schwedisches Paar, die exakt unsere Rucksäcke, Fjällraven Kajka und Abisko in gleicher Farbe haben – für Gesprächsstoff ist gesorgt. Die beiden kommen aus dem Sarek und haben ein paar kleine Rentiergeweihe dabei – wir schauen seit dem ersten Tag und haben noch keines gefunden. Wir bekommen sogar eines angeboten, voll nett, lehnen aber dankend ab – nur selbst gefunden zählt!
Wir sind schon am frühen Nachmittag in Aktse und freuen uns auf die Sauna – ja, lacht nur, wir waren fest der Meinung, Aktse hätte eine Sauna. Aktse hat zwar einen einmaligen Luxus zu bieten, aber es ist keine Sauna: es ist eine Dusche! Eine Outdoor-Dusche, eine kleine Kabine mit Tür, selbst gebaut und ihr ahnt schon, was das Problem dabei ist: ein Bach, mit Rohrleitungen umgeleitet, das Gefälle nutzend für den Wasserdruck – und eiskalt. Da ist das Waschen im Fluß mit Waschlappen viel gnädiger, ich hab gedacht, ich werde schockgefrostet! Aber was tut man nicht alles, um nach ein paar Tagen Wildnis wieder gut zu riechen!
Die Hütten von Aktse mit dem Skierffe im HintergrundDie Hütten von Aktse mit dem Skierffe im Hintergrund, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 27mm, 1/500s, Blende 11, ISO 200
Wir nutzen den kleinen Shop, um ein letztes Mal unsere Vorräte aufzufüllen, bis Kvikkjokk gibt es keine Einkaufsmöglichkeit mehr und wir wollen ja noch einmal für ein paar Tage vom Kungsleden in den Sarek abbiegen. Aktse ist für seine Mückenplage bekannt, kein Wunder bei dieser Sumpflandschaft. Wir haben schlimmeres erwartet, so übel ist es gar nicht. Den Nachmittag verbringen wir lesend in einer der beiden STF-Hütten, die derzeit nicht belegt ist, zum Abendessen gibt es wieder einmal Nudeln mit Tomatensauce, wir trinken Bier und Cola, essen Kekse und Schokolade – was man halt in der Zivilisation so macht! Und wir können es uns erlauben, denn mit 15-20kg Gepäck am Rücken steigt der Kalorienverbrauch beim Wandern nochmal ordentlich an. In einem der Zimmer raschelt und knabbert immer wieder was, wir tippen auf eine Maus, sehen sie aber nicht. Gut, dass wir im Zelt schlafen. 🐭
Unser Zelt, tief in der Blumenwiese versunken, dahinter die STF Hütten, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 31mm, 1/160s, Blende 11, ISO 200
Blumenwiese in Aktse mit dem Tjahkelij im Hintergrund, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/40s, Blende 8, ISO 200
Blumenwiese in Aktse mit dem Skierffe im Hintergrund, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 25mm, 1/250s, Blende 11, ISO 200
Dann übersiedeln wir in unser Zelt, es ist immer noch warm, die vielen Schichten Gewand in der Nacht sind Geschichte, die Schlafsäcke weit offen. Auf der Terrasse der belegten Hütte wird bis spät in der Nacht gelacht und getratscht – bei garantiert hohem Verbrauch von Mygga und Djungelolja 😉
1 reply
  1. Karl Zenz
    Karl Zenz says:

    Fantastisch die Landschaft. So gutes Wetter. Und vor allem so tolle, unvergleichlich gelungene, scharfe Fotos. – Danke fürs Zeigen.
    Den Text habe ich nur überflogen (pardon!).

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