Ausblick aus dem Zelt nach dem Essen

Tag 19 und 20 – Pårek

Regenwetter und Rentiergeweihe

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Ohne Frühstück starten wir um 9:30 – heute haben wir eine lange Etappe vor uns. Wir wissen die Richtung, in die wir wollen, aber den exakten Weg müssen wir uns suchen. Was von der Weite nach einem Klacks ausschaut, erweist sich “dank” der vielen Sumpfstellen komplizierter als erwartet. Bald finden wir eine blaue Markierung, die uns bis zu einem Rentierzaun führt. Da endet die Markierung und wir gehen nach Gefühl. Nach einer Stunde legen wir eine Frühstückspause ein – war anscheinend schon höchste Zeit 😉 – und essen Salamella und Knäckebrot mit Blick auf die Pårek Hochebene. Sumpflandschaft so weit das Auge reicht!

Blick nach Süden über die Pårek Hochebene mit ihren charakteristischen Seen, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/125s, Blende 8, ISO 200
Zwischen 900 und 1000 Höhenmetern ist es angenehm zu gehen, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 22mm, 1/320s, Blende 8, ISO 200
Spätes Frühstück, © Markus Proske — Panasonic DMC-LX100, 24mm, 1/250s, Blende 6.3, ISO 200
Frühstück aus Knäckebrot, Salamella und Olivenöl, © Markus Proske — Panasonic DMC-LX100, 24mm, 1/500s, Blende 6.3, ISO 200

Wir halten unseren Weg also so hoch wie nötig und so nieder wie möglich. Wir kommen gut voran, orientieren uns mit Kompass und Karte. Auf unserer Route queren wir viele kleine Bäche, die kein Problem darstellen. Auf dem selten begangenen Weg finden wir nun endlich, was wir schon die ganze Reise suchen: Rentiergeweihe! Markus hat bald den “Rentiergeweih-Blick” und sieht sie schon aus großer Entfernung weiß hervorblitzen. So kommt es, dass auf unseren Rucksäcken bald einige Geweihe hängen.

Schon fast ein Rentier :), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/160s, Blende 11, ISO 200
Gasskagårsså, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/200s, Blende 11, ISO 200

Nach einigen Kilometern erreichen wir den großen Fluss Gasskagårsså (siehe das Bild rechts oben). Tief eingeschnitten liegt der Fluß in der Schlucht, schmal, schnell und zu tief, um ihn gefahrlos zu furten. Das ist aber auch nicht nötig, wir steigen weiter Richtung Pårek ab und finden vor der Baumgrenze eine geeignete Stelle. Gut, aber dennoch knietief und saumäßig kalt. So ist das beim Furten – bei den ersten Schritten denkt man: kein Problem; bei den nächsten Schritten: naaa, ist doch recht kalt; wenig später: kaaaaaalt und wenn man dann endlich das andere Ufer erreicht hat und denkt: geschafft!, dann spürt man noch eine weitere Minute die Kälte wie Nadelstiche auf der Haut. Wer das Gefühl noch nicht nachvollziehen kann, achte bitte auf meinen Gesichtsausdruck 😉

Furt des Gasskagårsåjågåsj, © Markus Proske — Panasonic DMC-LX100, 24mm, 1/400s, Blende 5.6, ISO 200
Furt des Gasskagårsåjågåsj, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/100s, Blende 8, ISO 200
Furt des GasskagårsåjågåsjFurt des Gasskagårsåjågåsj, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/125s, Blende 8, ISO 200

Während wir uns wieder die Wanderschuhe anziehen, wird der Himmel über uns schwarz. Es beginnt zu regnen und bald schüttet es. Natürlich haben wir wieder mal nicht rechtzeitig die Regenhose übergezogen (das müssen wir bei der nächsten Tour wirklich verbessern!) und unsere Wanderhosen sind schnell waschelnass. Wir passieren die Baumgrenze und sind damit bei der Pårek-Samensiedlung angelangt. Der Weg ist unklar, irgendwie verlieren wir unseren Weg und die Wege, die wir finden, verbinden nur die einzelnen Hütten. Den richtigen Weg durch die Siedlung finden wir nicht so schnell; der starke Regen hilft hier natürlich auch nicht weiter. Wir stellen uns bei einem unbewohnten Haus unter und warten, bis der Regen etwas nachlässt.

Das Finden des richtigen Weges ist so eine Sache, in der Siedlung steht man mehr oder weniger im Wald und sieht nicht weit. Erst ein kurzer Umweg auf einen Hügel bringt Klarheit und Markus führt uns nun gut aus der Siedlung und wir finden den “richtigen” Weg, was wichtig ist, denn wie sollen wir sonst die Furtstelle zwischen den Seen finden? Immer wieder regnet es und die kurzen Regenpausen nutzen wir für Fotos und Snackpausen.

Wir passieren eine weitere Furtstelle, durch den Boarekjávrre und dem nächsten See. 20 Meter lang ist diese Furt und sie wird durch Steinkisten mit Bretterrahmen erleichtert. Vorsicht ist dennoch geboten, da die Bretter und Steine großteils unter Wasser liegen und es eine dementsprechend rutschige Partie ist. Markus probiert es balancierend über die Steinkisten und einzelne Steine, gleich mit den Wanderschuhen und kommt trocken drüben an. Mir ist das zu unsicher (und meine Wanderschuhe sind auch so schon nass genug) und ich wechsle wieder auf die Furtschuhe. Meine Reise durch den eiskalten See wird von Markus natürlich wieder fotografisch dokumentiert 🙂

Furt  zwischen Boarekjávrre und einem weiteren SeeFurt zwischen Boarekjávrre und einem weiteren See, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/125s, Blende 8, ISO 200

Der Weg ist nun wieder gut; wir gehen über viele Bohlenwege und Steige, die beide durch den Regen etwas rutschig sind.

Blick zurück, die Berge wieder in den Wolken, man sieht den Gasskagårsåjågåsj, den wir gefurtet haben, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/160s, Blende 8, ISO 200
Seen und Sümpfe der Boarek-Hochebene, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/160s, Blende 11, ISO 200
Seen und Sümpfe der Boarek-Hochebene, im Hintergrund der Paß, an dem wir den Kungsleden verlassen haben, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 200

Wir kommen schnell voran und gegen 17 Uhr erreichen wir eine Stelle mit zwei Zeltplätzen. Eigentlich wollten wir noch ein bisschen weiter gehen, aber es beginnt wieder zu nieseln und wer weiß, wie sich das Wetter entwickelt und wo die nächste so gute Zeltmöglichkeit kommt? Wir bauen schnell das Zelt auf.

Blick vom Zeltplatz in Richtung Boarek, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/80s, Blende 11, ISO 200
Unser Zeltplatz für zwei Tage, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/80s, Blende 11, ISO 200

Schnelles Waschen im See, genau als Markus nackt im/am See steht, sehen wir die ersten Menschen seit 3 Tagen und sie uns 🙂 Dann lesen wir und dösen im Zelt. Um 19:30 regnet es noch immer und wir sind froh, schon im Trockenen zu liegen. Immer wieder hören wir Donnergrollen und wir warten schon ungeduldig, dass der Regen nachlässt und wir kochen können. Gegen 20:15 essen wir endlich, das Zelt verlassen wir nur noch schnell zum Zähneputzen. Die Gelsen sind brutal aggressiv hier.

AbendstimmungAbendstimmung, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/200s, Blende 8, ISO 800

Die ganze Nacht schüttet es und nun können wir bestätigen: unser Zelt ist dicht! 🙂 Wir frühstücken draußen unser Müsli und müssen dann wieder ins Zelt wechseln, da es schon wieder zu tröpfeln beginnt. Wir lesen, tratschen, schauen die Fotos an und lassen unsere Reise revuepassieren. Nun kommt auch noch ein Sturm auf und wir müssen im Zelt bleiben. Das rächt sich, denn wir können erstens nicht mehr liegen und futtern zweitens aus Langeweile all unsere Vorräte auf. Folglich diskutieren wir bald über einen Notabstieg nach Kvikkjokk zwecks Auffüllen des Schokovorrats 😉

Lustwandler Panorama: Ein Klick öffnet das Bild und man kann sich umsehen!

Pårek Hochebene
Pårek Hochebene, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 24mm, 1/100s, Blende 11, ISO 200
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