Der namenlose Fluss an der roten Route

Tag 2: Skógar – Fimmvörðuháls [17km, 1.200 HM]

Ein harter erster Tag – aber wir sind härter!

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Um 6 Uhr sind wir eigentlich außergewöhnlich munter. Wir packen alles zusammen und um 7:10 sitzen wir schon im Bus Richtung Skógar. Die Tickets dafür haben wir bereits zuhause online gebucht.
Die Fahrt dauert wegen der vielen Stopps 3 Stunden und 20 Minuten. Immer wieder hält der Bus für 10 Minuten, was meist lästig, beim Wasserfall Seljalandsfoss aber eindeutig zu wenig ist. Der Fluss Seljalandsá stürzt hier 66 m in die Tiefe. Man kann auch hinter den Wasserfall gehen, was viele Leute auch ausnutzen (Regenjacke und -hose nicht vergessen!). Wir nützen die 10 Minuten, um zu schauen und zu staunen.
Kurz nach 10:30 erreichen wir den Skógafoss, Ausgangspunkt unserer Tour. Dieser wird mal ausgiebig “besichtigt” und fotografiert. Ganz schön imposant, wenn man nah dran ist – es ist windig, laut, nass und kalt. Der Skógafoss hat eine Breite von 25 Metern und fällt 60 Meter in die Tiefe.

SkógafossSkógafoss, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 24mm, 1/125s, Blende 5.6, ISO 100
SkógafossSkógafoss, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 83mm, 1/160s, Blende 8, ISO 100
SkógafossSkógafoss, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/100s, Blende 8, ISO 100

Wir nehmen noch letzte Änderungen bei unseren Rucksäcken vor und – auf gehts! Ambitioniert gehen wir die Treppen rechts neben dem Wasserfall hoch, diese könnt ihr gut am Bild oben erkennen. Die Treppen sind ganz schön steil und die 20 bzw. 26 kg hängen sich ordentlich an. Wir werden langsamer, ich brauch überhaupt ein paar Pausen und oben bin ich außer Atem. Na super. Toller Beginn – vielleicht sollten wir gleich wieder umdrehen und 10 Tage unten zelten? 😉 Wir schieben es mal auf die gemeinen Stufen, das Gewicht des Rucksacks und dem Start von 0 auf 100. Mal sehen, wie es weiter geht. Der Blick von hier oben ist jedenfalls ebenso toll wie der von unten.

SkógafossSkógafoss, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/60s, Blende 8, ISO 200
SkógafossSkógafoss, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/125s, Blende 8, ISO 100

Um 12 Uhr starten wir oben. Der Weg ist toll und unschwierig. Die Landschaft ist grün und erinnert schon sehr an Schweden. Wir sind ganz nah am Meer, was man aufgrund der Vegetation gar nicht glauben kann. Alle paar Meter taucht ein neuer Wasserfall auf. Wir kommen kaum weiter vor lauter Schauen und Fotografieren. Aber wir nehmen uns die Zeit, denn so schnell kommen wir nicht wieder her! Das Wetter spielt voll mit und schenkt uns sogar einen Regenbogen im Wasserfall.

Wasserfall der Skógá, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/100s, Blende 11, ISO 200
Wasserfall der Skógá, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 32mm, 1/60s, Blende 11, ISO 200
Wasserfall der Skógá, im Hintergrund der Eyjafjallajökull, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/50s, Blende 11, ISO 200
Wasserfall der Skógá, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 70mm, 1/320s, Blende 8, ISO 200
Wasserfall der Skógá, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/250s, Blende 11, ISO 200
Wasserfall der Skógá, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 70mm, 1/640s, Blende 5.6, ISO 200
Wasserfall der Skógá, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 70mm, 1/250s, Blende 5.6, ISO 200
Elisabeth auf dem aussichtsreichen Weg, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 27mm, 1/500s, Blende 8, ISO 200

Aber nicht nur die Wasserfälle sind beeindruckend, auch die Berge (teiweise mit interessanten “Auswüchsen”) und die teils bedrohlich aussehenden Wolkenformationen.

DrangshlíðarfjallDrangshlíðarfjall, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 128mm, 1/320s, Blende 8, ISO 200
DrangshlíðarfjallDrangshlíðarfjall, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/160s, Blende 11, ISO 200
Wasserfall der SkógáWasserfall der Skógá, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 300mm, 1/400s, Blende 8, ISO 200

Immer wieder begegnen wir Schafherden. In 3er Gruppen stehen sie auf den steilsten Hängen und beobachten uns Wanderer. Wisst ihr, warum die Schafe hier meist in 3-er Gruppen anzutreffen sind? Islandschafe haben ein Gen, das Mehrlingsgeburten begünstigt – Zwillingsgeburten sind bei weitem am Häufigsten, mit abnehmender Wahrscheinlichkeit sind aber Drillings- bis Sechslingsgeburten möglich.
Schafe in allen SchattierungenSchafe in allen Schattierungen, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 300mm, 1/320s, Blende 5.6, ISO 400
Die Skogár verläuft nun in einer imposanten Schlucht – unglaublich, wie viele Eindrücke wir bereits in den ersten Stunden erleben.

Wasserfall der SkógáWasserfall der Skógá, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/1000s, Blende 8, ISO 100
Die Skógá tief in der Schlucht, dahinter Eyjafjallajökull / FimmvörðuhálsDie Skógá tief in der Schlucht, dahinter Eyjafjallajökull / Fimmvörðuháls, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 23mm, 1/640s, Blende 8, ISO 100
Skógá tief in der Schlucht, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 5.6, ISO 200
Elisabeth, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/1600s, Blende 4, ISO 200
Der Weg führt beständig nach oben, mal flacher, mal steiler!Der Weg führt beständig nach oben, mal flacher, mal steiler!, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 20mm, 1/200s, Blende 11, ISO 200
Wasserfall der SkógarWasserfall der Skógar, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/160s, Blende 11, ISO 200
Wieder ein Blick zurückWieder ein Blick zurück, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/2500s, Blende 8, ISO 100

Leider verfliegt die Zeit so im Nu, das Gepäck ist schwer und der Körper und die Füße werden müde. Die ca. 7 km zur Brücke kommen uns vor wie 20 km. Am Weg treffen wir viele Wanderer – Tagesausflügler, aber auch viele Wanderer, die unsere Tour gehen. Einige von ihnen haben vor, gleich direkt bis Þórsmörk durchzugehen. Das kommt für uns nicht in Frage, am liebsten würden wir gleich hier bei der Brücke zelten. Leider befinden wir uns aber in einem Schutzgebiet und Zelten ist nur bei den ausgewiesenen Stellen bei den Hütten erlaubt [dazu mehr im Post zur Route, eigentlich sollte man bei der Baldvinsskáli sein Zelt aufschlagen].
Die Brücke über die SkógáDie Brücke über die Skógá, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 33mm, 1/250s, Blende 10, ISO 200
Nun können wir zwischen der blauen und der roten Route wählen. Die blaue ist die gängige Route, auf der man aber ab jetzt keine Möglichkeit mehr hat, Wasser nachzufüllen. Die nächste Gelegenheit gibt es erste wieder nach der Passüberschreitung auf der anderen Seite im Tal bei Básar. Die rote Route bietet auch später Wasser und soll landschaftlich noch schöner sein. Da wir ohnehin schon genug schleppen, entscheiden wir uns für die rote Route.
Eyjafjallajökull, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/400s, Blende 11, ISO 100
Wasserfall des namenlosen Flusses an der roten Route, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/160s, Blende 11, ISO 200
Auf dieser liegt bald allerdings noch ein Haufen Schnee. Gepaart mit einigen Höhenmetern (es ist ein ständiges Rauf und Runter) geht die Strecke ganz schön an die Substanz. Wenig Schlaf, Wind und Kälte tun ihr übriges, dass meine Stimmung mit jeder Minute schlechter wird. Markus bemüht sich, mich bei Laune zu halten und nimmt mir noch einiges an Gewicht ab, obwohl er selber auch schon müd ist. Danke! ❤️
ElisabethElisabeth, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/250s, Blende 5.6, ISO 640
Lichtblick ist die Hütte Baldvinsskáli, die ca. 180 Höhenmeter unterm Gipfel liegt und wo man zelten kann (siehe Bild unten, rechts). Bald erkennen wir aber, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Von der roten Route gibt es zwar einen Weg hinüber, allerdings liegt auf der gesamten Länge Schnee und es gibt nicht eine einzige Spur. In unbekanntem Gelände wollen wir das Risiko nicht eingehen und bleiben auf unserem Weg, wo es eine Handvoll Fußspuren gibt.
Fimmvörðuskáli und BaldvinsskáliFimmvörðuskáli und Baldvinsskáli, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/160s, Blende 11, ISO 200
So beißen wir in den sauren Apfel und nehmen doch die Hütte Fimmvörðuskáli als unser heutiges Ziel (siehe Bild oben auf dem Grat in der linken Bildhälfte). Nochmal 2 km und vor allem 180 Höhenmeter und viel tiefer Schnee. Markus besteht darauf, dass wir etwas essen, um der Erschöpfung entgegenzuwirken (wir hatten kein Frühstück, nichts zu Mittag, nur ein paar Riegel während der Tour), bevor wir den letzten Anstieg in Angriff nehmen. Wir kochen uns je ein Packerl Nudeln und essen es in den letzten Sonnenstrahlen, aber bei ganz schön kaltem Wind. Danach gehts wirklich besser! Die Hütte “kommt” immer näher 😃
Ein letzter steiler Aufstieg zur FimmvörðuskáliEin letzter steiler Aufstieg zur Fimmvörðuskáli, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/250s, Blende 8, ISO 640
Um 22:45 sind wir bei der Hütte. Drinnen schlafen alle und wir wollen nicht stören, also bauen wir das Zelt bei starkem Wind auf. Das erste Mal befestigen wir das Zelt beim Aufbau am Rucksack, damit es uns nicht davonfliegt. Wir brauchen eine gefühlte Ewigkeit fürs Aufbauen, der Wind ist eisig und der Untergrund schwierig. Das Abspannen des Zeltes nimmt viel Zeit (und Steine) in Anspruch.
Unser tapferes Hilleberg AllakUnser tapferes Hilleberg Allak, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/80s, Blende 5.6, ISO 3200
Markus schießt noch ein paar Gipfelfotos, denn von hier oben hat man eine tolle Sicht auf die Gletscher Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull. Wir probieren es anfangs aus Faulheit nur mit der Z-Lite Matte, aber es ist viel zu kühl von unten, so können wir nicht schlafen. Also doch noch Isomatten aufblasen, danach schlafen wir dann sehr schnell ein.
Wir haben heute wieder mal gesehen: Zu viele kleine Pausen (im Stehen und mit vollem Gewicht am Rücken) machen extrem müde. Der Wind rüttelt ordentlich am Zelt, aber wir schlafen sehr gut, bis uns um 8 Uhr die Stimmen aus der Hütte wecken.
Zum Abschluss folgen zwei Freihandpanoramen vom Gipfel, entstanden knapp vor Mitternacht bei frostigem und stark böigem Wind. Das bleiben die einzigen Bilder direkt vom Gipfel, danach musste der Fotograf dringend in den warmen Schlafsack.

Lustwandler Panorama: Ein Klick öffnet das Bild und man kann sich umsehen!

Panorama Richtung Süden
Panorama Richtung Süden, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/160s, Blende 5.6, ISO 3200
Das Bild beginnt auf der linken Seite mit dem Mýrdalsjökull; ziemlich genau unter dem Mond und oberhalb des Schnees ist die Baldvinsskáli zu sehen; unterhalb der beiden größeren Wolken im rechten Bilddrittel der Drangshlíðarfjall, wo wir heute morgen gestartet sind und auf der rechten Seite natürlich der Eyjafjallajökull.

Lustwandler Panorama: Ein Klick öffnet das Bild und man kann sich umsehen!

Panorama Richtung Norden
Panorama Richtung Norden, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 34mm, 1/100s, Blende 5.6, ISO 3200

Zum Abschluss noch ein Link, der uns beim Stöbern im Web untergekommen ist, eine Wintertour zur Fimmvörðuskáli, auf den Bildern sieht man die Hütte als Eisskulptur: siegerttrip.wordpress.com.

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