Þórsmörk, Eyjafjallajökull, Þröngá und Markarfljót

Tag 4: Þórsmörk – Emstrur [17 km, 540 HM]

Der Wald des Thor

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Das Wetter ist sonnig und warm, der Himmel unvorstellbar blau! Wir wissen es noch nicht, aber das wird der Tag mit dem besten Wetter unserer Tour sein. Wir haben ausgezeichnet geschlafen und starten nach ausgiebigem Frühstück und Rucksackpacken erst um 11 Uhr.
Zu Beginn führt der Weg durch das Waldgebiet Hamraskógar, einem Teil der Þórsmörk (dem “Wald des Thor”).
Gleich der erste Anstieg nach dem Camp Langidalur direkt beim Fluß Krossá durch den Birkenwald ist heftig. Wieder sind Stufen in den Weg eingebaut, teilweise sind diese Stufen unangenehm hoch und das ist mit dem schweren Rucksack echt nicht lustig. Wir sind aber nicht die einzigen, die sich hier quälen: die beiden Kanadier, die mit uns hinaufdampfen, fluchen ebenfalls heftig!
Schwer außer Atem und mit unzufriedenen Oberschenkeln blicken wir oben zurück, was für ein Ausblick!

Þórsmörk, Krossá und EyjafjallajökullÞórsmörk, Krossá und Eyjafjallajökull, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 22mm, 1/60s, Blende 8, ISO 100
EyjafjallajökullEyjafjallajökull, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 300mm, 1/640s, Blende 8, ISO 200
Elisabeth mit Eyjafjallajökull im HintergrundElisabeth mit Eyjafjallajökull im Hintergrund, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 128mm, 1/1000s, Blende 4.5, ISO 200

Danach führt der Weg gemütlicher durch den niedrigen Wald und eine bunte Heidelandschaft mit vereinzelten Büschen, sehr angenehm zu gehen. Nach rund einer Stunde gelangen wir zur ersten Furtstelle unserer Wanderung, der Furt durch die Þröngá, einem Gletscherfluss des Mýrdalsjökull. Von anderen Wanderern wissen wir schon, dass die Furten derzeit unproblematisch und nur wenig mehr als knietief sind, was uns ungemein beruhigt, eine Woche vor unserer Ankunft waren die Berichte noch ganz anders, von sehr starker Strömung und oberschenkeltief war da die Rede. Sowohl die Þröngá als auch die noch vor uns liegende Bláfjallakvísl sind potentiell schwierig zu furtende Flüsse, die bei Regen oder Schneeschmelze stark anschwellen und dann gefährlich bis unmöglich zu furten sind.
An der Furtstelle ist einiges los, auf beiden Seiten sind Wanderer mit dem An- oder Ausziehen von Schuhen beschäftigt. Wir reihen uns ein, Wanderschuhe aus, Furtsandalen an, Hose aufkrempeln, Wanderschuhe umhängen, Rucksäcke schultern (und Bauch- und Brustgurt nicht schließen) und los geht es. Die Furt ist tatsächlich einfach, zwar eine kräftige Strömung, gegen die man mit Fuß bzw. Stöcken ankämpfen muss, aber nur wenig über knietief und das Wasser ist erstaunlich warm im Vergleich zu den schwedischen Flüssen im letzten Jahr.

Þröngá FurtstelleÞröngá Furtstelle, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 70mm, 1/400s, Blende 8, ISO 200
Þröngá ,Þórsmörk und EyjafjallajökullÞröngá ,Þórsmörk und Eyjafjallajökull, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/160s, Blende 8, ISO 200

Auf der anderen Seite machen wir gleich eine kleine Naschpause, trocknen dabei gemütlich unsere Füße, aber vor allem: wir sind barfuß und gönnen unseren Füßen ein wenig Erholung, denn auf unserer letzten Tour haben wir gelernt:

Nichts ist so erholsam, wie eine halbstündige Pause ohne Schuhe, in der man die Zehen und das Fußgewölbe so richtig durchbewegt und barfuß ein wenig herumgeht!

Nach der Querung des Flusses geht es dann gleich wieder ordentlich nach oben, wir haben die deutsche Schülergruppe, die deutlich vor uns gestartet ist, wieder in Sichtweite.

Leichter Weg, stark ansteigendLeichter Weg, stark ansteigend, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 155mm, 1/250s, Blende 8, ISO 200
Bunte Farben auf kargem BodenBunte Farben auf kargem Boden, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 300mm, 1/320s, Blende 8, ISO 200

Oben angekommen erleben wir einen der besten Ausblicke der Tour. Hinter uns liegt die Þórsmörk und dahinter majestätisch der Eyjafjallajökull. Wir machen spontan eine Pause in der warmen Sonne, Elisabeth chillt und ich fotografiere ausführlich mit Stativ. Dabei ist – unter anderen – das folgende Panorama entstanden (bei dem ich euch wieder einmal empfehlen möchte, es groß anzusehen, das ist 22.000 Pixel breit und zeigt von links nach rechts mehr als 180°). Auf der linken Seite seht ihr den Mýrdalsjökull, ab der Bildmitte den Eyjafjallajökull, davor die grüne Þórsmörk, davor die Þröngá, die dann in den Markarfljót mündet.

Lustwandler Panorama: Ein Klick öffnet das Bild und man kann sich umsehen!

Mýrdalsjökull, Þórsmörk, Eyjafjallajökull Þröngá und Markarfljót
Mýrdalsjökull, Þórsmörk, Eyjafjallajökull Þröngá und Markarfljót, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 28mm, 1/800s, Blende 11, ISO 100
Danach führt der Weg sanft über einen breiten Kamm und dann kräftig hinunter zur Brücke über die Ljósá. Direkt beim Fluss wird es noch ein letztes Mal so richtig grün mit vielen niedrigeren Birken, danach wird die Landschaft zunehmend karger und wüstenähnlicher.

Ljósá und dahinter der tiefe Einschnitt des MarkarfljótLjósá und dahinter der tiefe Einschnitt des Markarfljót, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/100s, Blende 11, ISO 200
Ljósá mündet in den MarkarfljótLjósá mündet in den Markarfljót, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 29mm, 1/60s, Blende 11, ISO 200

Auf den nächsten 7km ist der Weg tendenziell ansteigend, es geht etwa 250 Höhenmeter hinauf. Wir gehen hier durch eine Felslandschaft aus sehr altem Lavagestein, das schon stark verwittert ist. Unser Weg ist oft sandig, wir sinken tief ein und entsprechend anstrengend ist es auch, hier zu gehen. Davon abgesehen ist unser heutiger Weg aber unschwierig. Westlich unseres Weges verläuft der Canyon des Flusses Markarfljót. Jenseits des Canyons ist ein markanter Berg zu sehen, der Einhyrningur. Isländisch für Anfänger, die Übersetzung ist einfach (und die Auflösung in der Bildbeschriftung) 😀🦄

Rechts im Bild der Einhornberg (Einhyrningur)Rechts im Bild der Einhornberg (Einhyrningur), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 27mm, 1/125s, Blende 11, ISO 200
Felslandschaft aus altem Lavagestein (und ein sandiger Wanderweg)Felslandschaft aus altem Lavagestein (und ein sandiger Wanderweg), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/100s, Blende 11, ISO 200
Durch die Felslandschaft aus altem Lavagestein, wieder mit EinhyrningurDurch die Felslandschaft aus altem Lavagestein, wieder mit Einhyrningur, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 20mm, 1/100s, Blende 11, ISO 200

Nach 5 der 7 km treffen wir auf die Schlucht Bjórgil, es geht steil hinunter und auf der anderen Seite ebenso steil wieder hinauf. Hier gibt es frisches Wasser und die tief eingeschnittene Schlucht schützt uns auch vor dem kühlen Wind, hier machen wir eine längere Pause – wieder ohne Schuhe – essen, trinken und tratschen mit zwei netten Tschechinnen, die heute ihren letzten Tourtag haben.
Auf den folgenden Bildern sieht man die Schlucht schon von oben als Blick zurück, das Panorama zeigt die Schlucht Bjórgil, den Markarfljót und Tröllagjá und dahinter natürlich wieder den Eyjafjallajökull. Bei nur einem der zahlreichen Ausbrüche der Katla wurde ein Gletscherlauf ausgelöst, der sich nach Nordwesten ergossen hat, alle anderen gingen in andere Richtungen. Dieser Ausbruch fand vor etwa 1.600 Jahren statt und das Ergebnis dieses Gletscherlaufes ist die breite Schlucht Tröllagjá (rechts im Hintergrund des Bildes, der tiefe Einschnitt ist der Markarfljót).
Die Schlucht Bjórgil, Markarfljót und TröllagjáDie Schlucht Bjórgil, Markarfljót und Tröllagjá, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 29mm, 1/400s, Blende 8, ISO 400

Lustwandler Panorama: Ein Klick öffnet das Bild und man kann sich umsehen!

Die Schlucht Bjórgil, Markarfljót und Tröllagjá, dahinter der Eyjafjallajökull
Die Schlucht Bjórgil, Markarfljót und Tröllagjá, dahinter der Eyjafjallajökull, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/1000s, Blende 8, ISO 400
Am Ende der Aufstiege geht es noch eine Weile flach durch über ein sandig-steiniges Plateau, dann sind wir an einem der markanten Aussichtspunkte dieser Etappe: eine Landschaft aus engen Schluchten und der Mündung der Fremri-Emstruá in den Markarfljót. Tipp: von der Hütte Botnaskáli aus gibt es einen etwa 1 km langen Ausflug, an dessen Ende man auf der gegenüberliegenden Seite steht und einen guten Ausblick nach Süden hat – wir haben das aber nicht gemacht, wir waren zu müde (und hungrig).

Mündung der Fremri-Emstruá in den Markarfljót als tiefe Einschnitte im GeländeMündung der Fremri-Emstruá in den Markarfljót als tiefe Einschnitte im Gelände, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/100s, Blende 11, ISO 200
Mündung der Fremri-Emstruá in den MarkarfljótMündung der Fremri-Emstruá in den Markarfljót, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 24mm, 1/4000s, Blende 8, ISO 800

Unser Weg führt nun hinunter und über ein ausgedehntes Plateau. Auf der anderen Seite erblicken wir bereits den steilen Aufstieg durch eine sandige Rinne, der letzten Hürde vor den Hütten an den Ausläufern des Bergs Botnar (Botnaskáli). Wenn ihr genau schaut, seht ihr schwer bepackte Maxerln auf dem Weg hinauf!

Weg entlang der Fremri-EmstruáWeg entlang der Fremri-Emstruá, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 20mm, 1/80s, Blende 8, ISO 100
Unser späterer Weg: eine steile Rinne hinaufUnser späterer Weg: eine steile Rinne hinauf, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 8, ISO 400

Wir erreichen eine tiefe Schlucht mit dem Gletcherfluss Fremri-Emstruá. Der Fluss entspringt im Gletscher Entujökull und dieser Gletscher gehört – wie könnte es anders sein – zum Mýrdalsjökull. Falls ihr euch jetzt denkt, jetzt erzählt er schon wieder vom Mýrdalsjökull – dieser Gletscher im Osten unserer Route begleitet uns jetzt seit dem ersten Tag! Wir haben zu Fuß über 50 km zurückgelegt, und ihn dennoch nicht aus dem Blick verloren. Unter “fast 600 Quadratkilometer” kann man sich doch eigentlich nicht viel vorstellen, aber 3 Tage zu gehen und dennoch immer noch “neben” dem Gletscher zu sein, das hilft der Vorstellung auf die Sprünge. An dieser Stelle möchte man bei einem Gletscherlauf auch eher nicht stehen …
Fremri-Emstruá mit Entujökull / MýrdalsjökullFremri-Emstruá mit Entujökull / Mýrdalsjökull, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/160s, Blende 8, ISO 200
Die gute Nachricht ist, dass über diesen reißenden Fluss eine Brücke führt, die schlechte, dass der Weg hinunter zur Brücke steil und etwas ausgesetzt ist und man mit schwerem Gepäck entsprechend vorsichtig sein muss, auch wenn es sich nur um wenige Meter handelt. Auf der anderen Seite der Brücke ist ein hoher Felsen zu überwinden, dort hängt ein abgenutztes Seil, an dem man sich hochziehen kann.
Brücke über die Fremri-Emstruá, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/200s, Blende 8, ISO 200
Brücke über die Fremri-Emstruá, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 25mm, 1/100s, Blende 8, ISO 400
Brücke über die Fremri-Emstruá, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/50s, Blende 8, ISO 200
Nach der Brücke kommt der erwartete steile Anstieg. Was wir von der anderen Seite schon gesehen haben, wird jetzt zur Gewissheit: der Anstieg ist sehr steil und sehr sandig, nach über 15 Kilometern, die wir heute schon in den Beinen haben, ist das wieder einmal etwas mühsam. Das nächste Bild zeigt ein Foto aus der Rinne zurück:
Blick zurück aus der sandigen RinneBlick zurück aus der sandigen Rinne, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 24mm, 1/200s, Blende 8, ISO 400
Nach dem Aufstieg geht es relativ eben zum Camp weiter und ein letzter kurzer Abstieg führt dann ins Camp. Schon von oben sehen wir, dass hier echt viel los ist. Es ist erst knapp vor 20 Uhr, für unsere Verhältnisse sind wir also früh dran, trotzdem sieht man schon von oben, dass gute Zeltplätze Mangelware sind.

Die letzten Meter zur BotnaskáliDie letzten Meter zur Botnaskáli, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/250s, Blende 8, ISO 400
BotnaskáliBotnaskáli, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/250s, Blende 8, ISO 400

Eine Gruppe von drei Schweizern, die gerade essen, empfängt uns aber sehr hilfsbereit und stellt einen Picknicktisch mit Bank weg auf einen recht schiefen Platz, damit wir auf dem ebenen Platz der Bank unser Zelt aufschlagen können. Man sieht die drei auf obigem Bild, falls ihr das jemals lest, danke! So bekommen wir einen perfekten ebenen Zeltplatz am Bach, der einzige kleine Nachteil ist, dass das Servicehaus 110 Stufen (Markus hat sie extra gezählt!) weit (hoch!) weg ist …
Wir bauen das Zelt auf, essen Spaghetti Carbonara von Expedition Food (mmmh!) und duschen. Das dauert ein bisschen, da nur eine Dusche für das ganze Camp funktioniert, aber das Warten lohnt sich! Sauber kriechen wir in die Schlafsäcke und dösen sehr schnell ein. Keine Ahnung, warum wir die Kindles mitgenommen haben, bis jetzt haben wir noch nicht einmal dran gedacht, sie auszupacken.
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