Der Kungsleden im Abisko Nationalpark

Tag 2: Abisko Nationalpark bis zum zweiten Meditationsplatz

Ein Zauberwald, viel Wasser und eine mächtige Felswand

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Der Tag beginnt um 8.30 und er beginnt nicht wirklich gut – wir haben beide Kopfschmerzen und mir ist zu allem Übel auch noch richtig übel. An Frühstück nicht zu denken, wir hoffen auf Besserung, lassen uns mit dem Packen Zeit und brechen dann um 10.30 auf. Der Weg führt wie schon gestern durch den bezaubernden Märchenwald des Abisko Nationalpark. Dicht stehende Fjällbirken dominieren den Wald, vereinzelt gibt es Grauerlen, im Unterholz Krähenbeeren und Blaubeeren und zahlreiche Feuchtstellen bzw. kleine Moore mit reicher Vegetation.
Fjällbirkenwald im Abisko NationalparkFjällbirkenwald im Abisko Nationalpark, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 300mm, 1/125s, Blende 5.6, ISO 200
Der Weg ist unschwierig, man geht meist auf hartem Untergrund oder auf Bohlenwegen. Das folgende Bild zeigt die absolute Luxusausführung eines Bohlenwegs – abseits des Nationalparks wird nur mit 1-2 Bohlen gebaut, nicht gleich mit 3 und außerdem sind die Bohlenwege dank der harten Winter selten in einem derart guten Zustand (dieser hier ist gerade neu gebaut).
Luxusversion eines Bohlenwegs im Abisko NationalparkLuxusversion eines Bohlenwegs im Abisko Nationalpark, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 8, ISO 200
Später treffen wir auch auf einen Bautrupp, der knapp vor der Abiskojaure-Hütte durch ein größeres Sumpfgebiet eine weitere Luxusausführung baut: einen 2-spurigen Bohlenweg! Der Hintergrund: es geht nicht nur um den Komfort der Wanderer, die Breite entspricht genau der Spurbreite der von den Samen und Hüttenwirten verwendeten Quads. Eingezwängt zwischen See und Giron gibt es hier keine Ausweichmöglichkeit.
Bohlenweg im Abisko Nationalpark, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 70mm, 1/80s, Blende 8, ISO 200
Bautrupp – hier die andere Luxusversion: zweispurige Bohlenwege!, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 300mm, 1/160s, Blende 5.6, ISO 200
Im Lauf des Vormittags erhole ich mich langsam, die wenigen kurzen doch teilweise knackigen Anstiege jagen meinen Puls aber unnatürlich in die Höhe. Dennoch, die reine Luft und die großartige Umgebung sind die beste Medizin, jede halbe Stunde geht es mir besser und ich kann die Tour immer mehr genießen. Wir verlassen nun den dichten Wald und folgen dem Kungsleden entlang des Sees Ábeskojávri. Im Osten ragt der Giron (1543m) mit seinen mächtigen Felswänden steil auf.
Felswand des Giron (1543m)Felswand des Giron (1543m), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 70mm, 1/250s, Blende 8, ISO 200
Am Ende des Sees treffen wir auf die Abzweigung zu den Abiskojaure-Hütten. Abisko Fjällstation bis Abiskojaure ist die klassische 1. Etappe mit ca. 13km Länge, für uns waren es dank Übernachtung im Nationalpark nur 9km. Da die morgige 2. Etappe von Abiskojaure bis Alesjaure 22km mit ca. 350HM beträgt und es ohnehin erst 15.30 Uhr ist, beschließen wir, noch ein wenig weiterzugehen und dann einen schönen Zeltplatz zu suchen. Direkt an der Abzweigung finden wir eine digitale Spiegelreflexkamera und bei kurzem Durchblättern der Bilder erkennen wir eine der beiden Polinnen darauf. Während wir noch überlegen, ob es besser ist, sie Richtung Alesjaure mitzunehmen (weil wir die beiden nicht weit vor uns vermuten) oder doch lieber bei der Hütte abzugeben (falls die beiden einen kurzen Tag machen und bei der Hütte zelten), kommt eine der beiden schon leicht außer Atem aus Richtung Alesjaure und nimmt ihre Kamera in Empfang. Die beiden sind ohnehin lustig. In der Früh sind sie nach ausgiebigem Frühstück etwas vor uns aufgebrochen, etwa 6km später sind wir an Ihnen vorbei, als sie gerade gekocht haben (2. Frühstück, 10 Uhr). Bei einem Fotostop haben sie uns wiederum überholt, doch bei der Hängebrücke haben wir sie wieder eingeholt – sie haben gerade gekocht (Mittagessen, 14 Uhr). Wir haben sie dann kurzerhand im weiteren Verlauf der Tour nur mehr die beiden Hobbits genannt.
Nun steigt der Weg deutlich an und der Birkenwald lichtet sich. Den tief eingeschnittenen Fluß Šiellajohka queren wir wieder auf einer hohen Hängebrücke, um dann auf einem steilen Anstieg endgültig die Baumgrenze hinter uns zu lassen. Rund zwei Kilometer vor der Brücke haben wir den Abisko Nationalpark verlassen, ab jetzt dürfen wir dank Allemansrätten [Wikipedia] überall unser Zelt aufstellen.
Um 17.30 erreichen wir den zweiten Meditationsplatz des Weitwanderwegs “Dag Hammarskjöldsleden” am Fuß des Gárddenvárri (1154m). Wir finden einen schönen ebenen Zeltplatz, schlagen unser Zelt auf und genießen unser Abendessen (Pasta Bolognese, Travellunch, ganz gut) mit einem weiten Ausblick auf den See und den Abisko Nationalpark – mittlerweile mit Daunenjacken, es weht ein kräftiger Wind bei nur 10°, dafür gibt es aber auch kaum Gelsen. Als uns zu kühl wird, ziehen wir uns für Snacks, Tagebuch und Kindle-Lesen ins Zelt zurück und gehen bereits um 20 Uhr schlafen.
[Tipp: wenn man noch weiter gehen möchte, findet man nach der Umrundung des Berges vor und nach der Samensiedlung gute Zeltplätze]

Fjällbirkenwald im Abisko Nationalpark, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 300mm, 1/125s, Blende 5.6, ISO 200
Der Kungsleden im Abisko Nationalpark, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 100mm, 1/125s, Blende 5.6, ISO 200
Kungsleden nach der Querung des Ballinjohka, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/320s, Blende 9, ISO 200
Luxusversion eines Bohlenwegs im Abisko Nationalpark, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 8, ISO 200
Felswand des Giron (1543m), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 70mm, 1/250s, Blende 8, ISO 200
Giron (1543m) und der See Ábeskojávri, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 22mm, 1/500s, Blende 8, ISO 200
Unser Tagesziel Gárddenvárri (1154m) aus der Ferne, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/160s, Blende 8, ISO 200
Unser Tagesziel Gárddenvárri (1154m), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 176mm, 1/320s, Blende 5.6, ISO 200
Elisabeth im Abisko Nationalpark, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 160mm, 1/80s, Blende 5.6, ISO 200
Abiskojaure-Hütten, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 214mm, 1/320s, Blende 5.6, ISO 200
Markus auf der Brücke über den Šiellajohka, © Markus Proske — Panasonic DMC-LX100, 28mm, 1/200s, Blende 5, ISO 200
Elisabeth auf der Brücke über den Šiellajohka, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 135mm, 1/50s, Blende 8, ISO 200
Blick zurück zur  Brücke über den Šiellajohka, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 70mm, 1/100s, Blende 8, ISO 200
Blick zurück zum See Ábeskojávri, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/80s, Blende 8, ISO 200
Blick voraus, das ist der Aufstieg zum zweiten Meditationsplatz. Rechts der Gárddenvárri (1154m), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 17mm, 1/250s, Blende 8, ISO 200
Wir beide, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/250s, Blende 5.6, ISO 200
Luxuszeltplatz mit toller Aussicht (zweiter Meditationsplatz), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/250s, Blende 5.6, ISO 200
Der Stein mit der Inschrift bietet einen guten Sitzplatz für das Abendessen, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/4L IS USM, 33mm, 1/100s, Blende 8, ISO 200

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1 Wordpress reply
  1. KARL Anton ZENZ says:

    Gleich zum Einstieg meine/unsere Römische Eins!
    Denn sowohl die Auswahl und Vorbereitung der Tour verdient eine solche! – Was ihr da alles mitschleppen musstet (und vorher besorgen), werden wir ja bei den weiteren Tagesetappen erfahren.
    Der Text lässt uns ja die Reise interessant nach verfolgen, wie auch diese wunderbaren Foto-Aufnahmen. – Danke fürs Zeigen!

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