Nordic reflections

Tag 6: Kåbtåjaure – Pauro

An die Ruder, ihr Landratten!

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Next stop: Pauro! Wir starten vollmotiviert, bei strahlendem Sonnenschein und auch recht früh am Morgen, Wecker 7 Uhr, um 8 Uhr 15 gehen wir los. Der Weg führt am See entlang – nicht zu knapp am See, aber auch nicht zu hoch am Hang ist die Devise und wie immer ist es ein stetes Auf und Ab. Die Wegbeschaffenheit wechselt zwischen fast grasartigem Bewuchs und mehr oder weniger felsdurchsetzten Bereichen – gesamt betrachtet kommen wir jedenfalls flott voran und ein Rentier sehen wir auch.
A Reindeer a day keeps the worries away!

Elisabeth auf dem Weg nach Pauro, entlang des KåbtåjaureElisabeth auf dem Weg nach Pauro, entlang des Kåbtåjaure, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/60s, Blende 11, ISO 100

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Panorama des Kåbtåjaure
Panorama des Kåbtåjaure, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/60s, Blende 13, ISO 200
Kåbtåjaure, dahinter bereits der Bovrojávri und im Hintergrund das PaurofjelletKåbtåjaure, dahinter bereits der Bovrojávri und im Hintergrund das Paurofjellet, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 13, ISO 200
Westufer des Kåbtåjaure und  PaurofjelletWestufer des Kåbtåjaure und Paurofjellet, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 70mm, 1/160s, Blende 8, ISO 200
Rentier (virtual 525mm)Rentier (virtual 525mm), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF70-300mm f/4-5.6L IS USM, 300mm, 1/640s, Blende 5.6, ISO 250
ElisabethElisabeth, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/60s, Blende 11, ISO 320

Jetzt sind die ersten zwei Stunden um, wir lassen den Kåbtåjaure hinter uns und haben nun den Bovrojávri im Blick, an dessen Südufer wir nun entlanggehen. Pauro selbst liegt am Nordufer, von dort trennt uns allerdings noch eine Brücke, eine Halbinsel und eine Ruderstrecke. Genau um 11 Uhr erreichen wir die schwedisch-norwegische Grenze und diesmal sogar einen der besonderen Grenzsteine, nämlich den Rr 252. Das hat unmittelbare Auswirkungen: erstens gibt es ein Selfie und zweitens wird die Markierung schlagartig besser.

Bovrojávri und PaurofjelletBovrojávri und Paurofjellet, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/60s, Blende 11, ISO 250

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Panorama Bovrojávri und Kåbtåjaure
Panorama Bovrojávri und Kåbtåjaure, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/60s, Blende 11, ISO 100
Wir zwei beim Grenzstein Rr 252Wir zwei beim Grenzstein Rr 252, © Markus Proske — Panasonic DMC-LX100, 24mm, 1/500s, Blende 5.6, ISO 200

Auf dem nächsten Bild sieht man schon den Abfluss des Noaidejávri bzw. See 718 in den Bovrojávri. Wer mit einer älteren Fjällkarte geht, wird hier versuchen, die Brücke zu finden – allerdings ist hier keine Brücke mehr. Die Brücke wurde zerstört und dann deutlich weiter westlich aufgebaut, man muss den Noajdetjåhkkå weiter umrunden, bis man die Engstelle zwischen dem Noaidejávri und dem See 718 erreicht und dort befindet sich dann auch die Brücke.

Abfluss des Noaidejávri in den BovrojávriAbfluss des Noaidejávri in den Bovrojávri, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/60s, Blende 11, ISO 160
Noaidejávri/See 718, unsere Brücke in der Engstelle und im Hintergrund der GihccejieknaNoaidejávri/See 718, unsere Brücke in der Engstelle und im Hintergrund der Gihccejiekna, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 160

Die Brücke ist eine klassische norwegische Hängebrücke und so richtig schön wackelig. Elisabeth ist not amused und damit komme ich ins Spiel: einmal meinen Rucksack rüberbringen, zurück, Elisabeth abholen und mit ihr gemeinsam rübergehen, zurück und Elisabeths Rucksack transportieren. 6x Wackelbrückenspaß für mich 🎉
Immerhin ist die Brücke überhaupt vorhanden, Anfang August war sie zerstört und es gab nur die Möglichkeit zu furten, sie wurde allerdings innerhalb einer Woche repariert. An unserem Tag war der Wasserstand hoch, ich schätze, das Wasser wäre mir bis zur Brust gegangen, schwierig, da trocken einen Rucksack hinüberzubringen.
Die entscheidende Brücke, westlich des Sees 718Die entscheidende Brücke, westlich des Sees 718, © Markus Proske — Panasonic DMC-LX100, 24mm, 1/250s, Blende 5.6, ISO 200
Von der anderen Seite der Brücke sieht man jetzt den Noajdetjåhkkå sehr schön.

Blick zurück auf die Brücke, im Hintergrund der NoajdetjåhkkåBlick zurück auf die Brücke, im Hintergrund der Noajdetjåhkkå, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 200

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Blick zurück auf die Brücke, im Hintergrund der Noajdetjåhkkå
Blick zurück auf die Brücke, im Hintergrund der Noajdetjåhkkå, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 200

Auf unserem Weg überqueren wir nun die Halbinsel, bis wir den See auf der anderen Seite erreichen. Das ist der landschaftlich spektakulärste Teil des heutigen Tages. Vor uns liegen das das rötliche Paurofjellet und der türkis-blaue Bovrojávri, und die Halbinsel ist saftig grün. Es ist absolut windstill und so spiegelt sich das Paurofjellet derart stark im See, dass man sich des öfteren fragt, wo denn eigentlich die Grenze zwischen Wasser und Land ist. Aber seht selbst!

PaurofjelletPaurofjellet, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 200
PaurofjelletPaurofjellet, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/60s, Blende 11, ISO 160
Nordic reflectionsNordic reflections, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 100

Wir sind mittlerweile leicht nervös, kommen wir doch zur Schlüsselstelle des Tages: die Bootspassage. In der Vergangenheit gab es hier immer wieder Probleme mit abgetriebenen Booten oder schlicht zwei Booten auf einer Seite und folglich keinem auf der anderen Seite. In den Hüttenbüchern in Pauro und Røysvatn kann man dazu Geschichten nachlesen, unter anderem die Geschichte eines (männlichen) Wanderers, der verzweifelt gewartet hat, ob von der anderen Seite jemand mit dem Boot übersetzt bis dann auf seiner Seite eine junge Schwedin angekommen ist, die schwimmend das Boot geholt hat. Später auf der Tour hat uns jemand erzählt, dass die Bootspassage auch durch eine Brücke ersetzt werden soll, ich habe aber online bisher keine Bestätigung dafür gefunden.
Endlich erlangen wir einen Blick auf den Hafen von Pauro und wir haben natürlich Glück: auf jeder Seite liegt ein Boot. Wir gehen hinunter, legen unsere Rucksäcke ab und bereiten das Boot auf unserer Seite vor. Das Boot ist mit unzähligen Wicklungen und Knoten an den vorgesehenen Befestigungen vertäut, hier ist jemand wirklich auf Nummer sicher gegangen. Das Boot ist eigentlich eine Nussschale und mit uns beiden drin eigentlich schon ein bissl wackelig. Außerdem ist es so klein, dass wir erstmal nur einen Rucksack mit auf die andere Seite nehmen.

Elisabeth auf den letzten Metern zur BootsanlegestelleElisabeth auf den letzten Metern zur Bootsanlegestelle, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 28mm, 1/125s, Blende 11, ISO 100
Pauro PortPauro Port, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 100

Ich bin für Brücken zuständig, Elisabeth rudert, so die Arbeitsteilung bei uns. Wir erreichen nach längerer Fahrzeit auf einem spannenden Zick-Zack Kurs 🚣 gut das andere Ufer, laden den Rucksack aus und befreien das zweite ebenfalls schwer festgebundene Boot und hängen es an unser eigenes Boot. Dann rudert uns Elisabeth auf einem Sightseeing-Kurs 🚣 zurück auf die andere Seite, wo wird zum einen ein Boot zurücklassen und zum anderen unseren zweiten Rucksack mitnehmen. Und dann geht es wieder hinüber, schon auf einem bissl direkteren Kurs 🚣. Wir ziehen das Boot an Land und vertäuen es genauso aufwändig, wie wir es vorgefunden haben – ihr erinnert euch, alles immer ein bisschen besser hinterlassen als man es vorgefunden hat, das sind die Regeln! 🤪
Danach schultern wir unsere Rucksäcke und gehen die letzte halbe Stunde bis zur Hütte. Die Hütte ist auf unserer Fjällkarte übrigens zu weit westlich eingezeichnet.

Pauro, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/80s, Blende 8, ISO 125
Pauro, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 24mm, 1/60s, Blende 8, ISO 250
Pauro, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/60s, Blende 8, ISO 2000
Pauro, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/60s, Blende 8, ISO 2500
Pauro, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/60s, Blende 5.6, ISO 1250
Pauro, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/80s, Blende 8, ISO 8000

Bei unserer Ankunft in Pauro sind alle Hütten versperrt, wir sind die ersten Gäste! Wir beziehen das Zweierzimmer in der größeren Hütte – weil es dort eine gemütliche Couch gibt – und tragen uns gleich einmal ins Hüttenbuch ein. Dann wärmen wir uns etwas Wasser, um uns noch schnell draussen vor der Hütte zu waschen. Während wir uns nackt vor der Hütte waschen, sehen wir auf unserem Weg vom Hafen Pauros einen einsamen Wanderer kommen – und er oder sie sieht bestimmt auch nackte Menschen 🙂
Nicht viel später ist er dann da, Markus aus Thübingen, ein Name, den ich mir gut merken kann 😉. Wir sitzen dann eine Weile gemeinsam vor der Hütte in der Abendsonne, tratschen und genießen den Ausblick. Zu Elisabeth sagt er irgendwann, dass er schon den ganzen Tag “ihren kleinen Fußabdrücken folgt” 😂 und irgendwann später folgt dann auch noch eine ziemliche Beschwerde, wie man Boote nur so umständlich vertäuen kann…
Er hat natürlich recht: Bei dem herrlichen Wetter heute kann man das alles gemütlich machen, aber bei Kälte, Regen und Wind schaut das ganze anders aus. Andererseits wollten wir keinesfalls in die Hüttenbücher 2019 als Schuldige für abgetriebene Boote eingehen…
Etwas später kommt noch ein zweiter Deutscher aus Richtung Sitas, der zieht aber die kleine Hütte vor und kommt dann nur kurz zum Plaudern in die große Hütte. Unser Abend besteht dann aus Essen, mehr Tratschen und Lesen in unseren Kindles. Um 23 Uhr gehen wir schlafen, davor machen wir noch ein paar Antara-Übungen unter dem Sternenhimmel. Sicherheitshalber haben wir uns einen Wecker für 2 Uhr gestellt und tatsächlich sind schwache Nordlichter am Himmel zu sehen. Wir schauen eine Weile und gehen dann wieder ins warme Bett, im Freien hat es doch nur mehr 5°C.

Panorama Bovrojávri mit Noajdetjåhkkå im HintergrundPanorama Bovrojávri mit Noajdetjåhkkå im Hintergrund, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/60s, Blende 11, ISO 200
Aurora borealis in PauroAurora borealis in Pauro, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 15/1s, Blende 4, ISO 6400

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