Blockfeld beim See 1094 (Blick zurück)

Tag 10: Skoaddejávri – Čáihnavagge

Das berühmt-berüchtigte Blockfeld von Čáihnavagge

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Der Tag beginnt stürmisch, immerhin scheint die Sonne und mit 10°C ist es auch nicht kalt. Schon gar nicht, wenn es gleich nach der Hütte wieder bergauf geht. Wir starten um 8 Uhr und wollen – bevor das angekündigte Schlechtwetter eintrifft – in Čáihnavagge sein. Das bedeutet, dass wir jetzt einmal von unseren 1100 m Höhe bis zum Gautelisvatnet absteigen (auf ca. 850 HM), um dann auf der anderen Seite wieder auf den 1200 m hohen Pass aufzusteigen. Zur Belohnung wartet dann ein langes Blockfeld, das uns andere Wanderer in den letzten Jahren in den schillernsten Farben beschrieben haben. Nach kurzem Abstieg liegt dann auf 1000 m Höhe unser Tagesziel, die Čáihnavaggehytta, die nach meiner Basecamp-Messung 21 km entfernt ist. Die beiden Norweger schlafen noch, als wir aufbrechen, ich wüsste wirklich gern, ob sie den Kebnekaise erreicht haben.
Das erste Bild ist ein Blick zurück auf den Skoaddejávri, die Hütte ist schon hinter der Geländekante und nicht mehr zu sehen.
Ein Blick zur auf den Skoaddejávri, der Sitasjaure ist auch wieder zu sehenEin Blick zur auf den Skoaddejávri, der Sitasjaure ist auch wieder zu sehen, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/100s, Blende 11, ISO 100
Nach dem Überschreiten des höchsten Punktes geht es langgezogen und über viele Geländestufen nach unten. Bereits früh sehen wir den Aufstieg auf der gegenüberliegenden Seite, wie euch das nächste Bild zeigt: ganz rechts ist ein kleines Stück des großen Sees Gautelisvatnet zu sehen und dahinter geht es nach oben auf den flachen Berg im Hintergrund zu und da dann in das links gelegene Tal (also quasi hinterhalb des Berges, der leicht rechts der Bildmitte liegt).

Namenloser See auf 1060m Höhe, im Hintergrund sieht man schon den GautelisvatnetNamenloser See auf 1060m Höhe, im Hintergrund sieht man schon den Gautelisvatnet, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 28mm, 1/60s, Blende 11, ISO 100
Elisabeth im AbstiegElisabeth im Abstieg, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 125

Der Abstieg ist natürlich kein reiner Abstieg, fallweise geht es auch wieder ein Stückerl bergauf. Der stürmische Wind macht es mit der Zeit doch recht kühl und wir gehen mit Fleeces und Kapuze.

Elisabeth im Abstieg (tendenziell halt, hier geht es gerade wieder hinauf)Elisabeth im Abstieg (tendenziell halt, hier geht es gerade wieder hinauf), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/125s, Blende 11, ISO 100
ČoarddajávriČoarddajávri, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 24mm, 1/100s, Blende 11, ISO 100
Elisabeth im AbstiegElisabeth im Abstieg, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 100

Wir kommen gut voran und sind – nach einer kurzen Frühstückspause in der Sonne windgeschützt versteckt hinter großen Felsen – um 11:15 Uhr an der Straße. Der Wegweiser zeigt 7,5 km nach Skoaddejávri an und 15 km nach Čáihnavagge. Wir gehen ungefähr 30 Minuten auf der Schotterstrasse, bis diese vor einem Damm endet und wir über diesen Damm weitergehen, das folgende Foto ist vom Damm aus mit Blick nach Westen fotografiert. Erwähnenswert ist noch, dass der Wind nicht nur stürmisch sondern auch sehr böig ist und an unseren Rucksäcken gute Angriffsfläche findet. Auf der Straße hat das den einen oder anderen Seitschritt erfordert, hier auf dem ausgesetzten Damm fühlen wir uns nicht übermäßig wohl, zum Glück ist der Damm recht breit.
Ausblick von einem kleinen Staudamm nach WestenAusblick von einem kleinen Staudamm nach Westen, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/100s, Blende 11, ISO 100
Wenig später kommt die nächste Wackelbrücke. Elisabeth hat endgültig keine Lust mehr auf diese Art von Übergängen, geht hinunter und durch das fast ausgetrocknete Flussbett und drüben wieder hinauf, wo ich schon geduldig warte. 🙂
Die nächste wackelige BrückeDie nächste wackelige Brücke, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 28mm, 1/160s, Blende 11, ISO 100
Der Weg führt nun gut mit Steinmännchen und roten Punkten markiert den Hang entlang, hauptsächlich durch eine heideartige Landschaft, manchmal steinig und manchmal mit einem Hauch von Blockfeld. Kurz vor 13 Uhr erreichen wir den nächsten Wegweiser: 9 km nach Čáihnavagge oder 4,5 km nach Gautelis. 9 km und noch ausreichend Zeit – wir sind sehr zufrieden und machen uns munter an den Aufstieg.
Gautelisvatnet und GautelifjelletGautelisvatnet und Gautelifjellet, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/60s, Blende 11, ISO 100
Je höher wir kommen, desto steiniger wird der Weg und immer wieder verlegen uns kleinere und größere Blockfelder den Weg. Der Weg ist mit Steinmännchen und kleinen roten Punkten eigentlich recht gut markiert, allerdings sind diese auf den Blockfeldpassagen oft schwer auszumachen. Im Prinzip kein Problem, da die Lage des Passes an sich völlig klar ist, allerdings hofft man halt, dass die Markierung die Idealroute durch die Blockfelder darstellen und daher waren wir bestrebt, sie in etwa einzuhalten.

Aufstieg ins ČáihnavaggeAufstieg ins Čáihnavagge, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/60s, Blende 11, ISO 200
Aufstieg ins ČáihnavaggeAufstieg ins Čáihnavagge, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/60s, Blende 11, ISO 160
Aufstieg ins Čáihnavagge (und ja, das ist der “Weg”)Aufstieg ins Čáihnavagge (und ja, das ist der “Weg”), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 20mm, 1/60s, Blende 11, ISO 160

Das Bild, das ihr gerade gesehen habt: Ja, das ist der Weg, wer ganz genau schaut, sieht in der Bildmitte zwei rote Punkte, einen auf einem dunklen Stein und einen sehr kleinen im Bildhintergrund. Bei diesem Bild ist es übrigens ungefähr 14 Uhr, also eine Stunde Aufstieg seit dem Wegweiser.
Elisabeth beim Aufstieg ins ČáihnavaggeElisabeth beim Aufstieg ins Čáihnavagge, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 20mm, 1/80s, Blende 11, ISO 125
Wie ihr seht, ist der Weg mittlerweile deutlich anstrengender geworden und wir kommen nun langsamer voran. An der Stelle, wo die höher gelegene Gautelis-Abzweigung auf der Karte markiert ist, machen wir eine kleine Essenspause. Um 15:30 Uhr ist diese folgende Fotoserie entstanden.

Ein letzter Blick zurück auf den Gautelisvatnet und den bisherigen Aufstieg ins ČáihnavaggeEin letzter Blick zurück auf den Gautelisvatnet und den bisherigen Aufstieg ins Čáihnavagge, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 28mm, 1/80s, Blende 11, ISO 100
Elisabeth beim Aufstieg ins ČáihnavaggeElisabeth beim Aufstieg ins Čáihnavagge, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 20mm, 1/80s, Blende 11, ISO 160
Auf dem Weg zum PassAuf dem Weg zum Pass, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 200

Jetzt sind wir schon weit oben und nicht viel später überschreiten wir den höchsten Punkt. Jetzt ist es ungefähr 16 Uhr, wir sind jetzt mit den Pausen 8 Stunden unterwegs.

Es geht immer weiter hinauf zum PassEs geht immer weiter hinauf zum Pass, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 100
Am PassAm Pass, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 100

Nach dem Pass geht es relativ eben bis leicht fallend dahin, bis sich der Blick nach Norden ins Tal öffnet und der See 1094 unter uns liegt. Doch nicht nur der See liegt unter uns, auch das berüchtigte zugehörige Bockfeld. Das Bild mit dem See ist um 17 Uhr entstanden.

See 1094 und das berüchtigte Blockfeld von ČáihnavaggeSee 1094 und das berüchtigte Blockfeld von Čáihnavagge, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 28mm, 1/80s, Blende 11, ISO 100
I’m still standing – Elisabeth im Čáihnavagge-BlockfeldI’m still standing – Elisabeth im Čáihnavagge-Blockfeld, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 320

Da lacht sie noch! 🙂
Der erste Teil geht eigentlich ganz gut, aber dann kommen wir in einen Bereich richtig großer Blöcke. Zwischen den Blöcken gibt es Spalten, die gerne mal mehr als einen Meter tief sind, zwischen den Blöcken fallweise Höhenunterschiede deutlich über einem halben Meter – was vor allem mit unserem schweren Gepäck und als Schritt hinunter nicht lustig ist. Als wäre das nicht anstrengend genug, kämpfen wir mit dem extrem böigen und mittlerweile auch sehr stürmischem Wind. Wir bieten zuviel Angriffsfläche mit unseren Rucksäcken und die Böen sind stark genug, dass sie uns gehörig aus dem Gleichgewicht bringen und wir uns an den Felsen im Blockfeld abstützen müssen. Immerhin, es regnet nicht und wir haben Glück, dass das Blockfeld nicht zusätzlich noch rutschig ist.
Der diensthabende Fotograf war damit beschäftigt, das Gleichgewicht nicht zu verlieren und die schwierigste Passage unfallfrei zu meistern, daher gibt es von diesem Teil keine Fotos, aber zum Glück erstreckt sich das Blockfeld den ganzen See entlang und so haben wir doch ein paar Bilder mitgebracht.

Blockfeld beim See 1094 (Blick zurück)Blockfeld beim See 1094 (Blick zurück), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/60s, Blende 8, ISO 400
Blockfeld entlang des Sees 1094Blockfeld entlang des Sees 1094, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 24mm, 1/60s, Blende 11, ISO 500
See 1094 und der Blick zurück zum PassSee 1094 und der Blick zurück zum Pass, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 28mm, 1/80s, Blende 11, ISO 1000
See 1094 und der Blick zurück zum PassSee 1094 und der Blick zurück zum Pass, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 24mm, 1/80s, Blende 11, ISO 1600

Das letzte Bild zeigt schon die Abendstimmung, die letzten Sonnenstrahlen auf der Spitze des Berges und die kühlen Schatten im Blockfeld.
Abendstimmung? 19 Uhr? Wann ist es denn so spät geworden? Wir haben tatsächlich 2 Stunden durch das Blockfeld östlich des Sees gebraucht. Und wie man auf dem nächsten Bild sieht, ist unser Ziel nur ganz klein am Ende des nächsten Sees zu sehen und es wird noch fast 1,5 Stunden dauern, bis wir tatsächlich dort ankommen.

See 1004 und die ČáihnavaggehyttaSee 1004 und die Čáihnavaggehytta, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 1250
Ein Blick zurück in Richtung PassEin Blick zurück in Richtung Pass, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 28mm, 1/80s, Blende 11, ISO 10000

Der Weg zur Hütte führt westlich in einem größeren Bogen um den See 1004. Der Weg bleibt steinig und ist immer wieder mit leichtem Blockfeld durchsetzt, zusätzlich sind kleinere Bäche zu furten. Langsam aber sicher geht uns das Tageslicht aus und den letzten Teil gehen wir schon ziemlich im Dunkeln. In der Ferne sieht man eine Kerze im Fenster einer Hütte. Außerdem beginnt es zu regnen, aber wir erreichen die Hütten, bevor der Regen stärker wird.
Von den drei Hütten sind die beiden kleinen Hütten belegt, eine durch zwei Jäger und eine durch ein deutsch/belgisches Paar. Wir nehmen daher die große Hütte, die seltsamerweise unverschlossen ist, aber auch in völliger Dunkelheit liegt, der Ofen ist kalt. Dennoch gibt es einen Bewohner, ein junger Deutscher, der den E1 geht und sich kein Feuer machen wollte. Das holen wir nun schleunigst nach, wir sind doch recht ausgekühlt von dem langen und langsamen Abstieg. Die Hütte bekommen wir natürlich nicht mehr warm, aber wir sitzen dicht am wärmenden Ofen und löffeln müde unser Essen. Ein danach gibt es nicht mehr – Schlafsack und weggemützelt!
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