Island 2017: Prolog und Route durch das südliche Hochland

Fimmvörðuháls, Laugavegur und Hellismannaleið

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Die erste Trekkingtour unseres Lebens letztes Jahr in Schweden hat uns dermaßen begeistert, dass wir bereits am Ende der Tour beschlossen haben, im nächsten Jahr unbedingt wieder eine Trekkingtour mit Zelt zu machen. Wunschziele gab es viele, lange war eine Sarek-Querung im Gespräch, wir haben an Norwegen gedacht oder an Irland. Ach, und nach Island wollten wir schon lange und um Weihnachten herum haben wir uns dann für ein Doppelpack entschieden: Island im Juli und im frühen Herbst dann noch zu einer kurzen Tour nach Schweden!
Wenn es draußen stürmt und schneit, lässt es sich im warmen Wohnzimmer bei Punsch und Keksen hervorragend planen (und man hat auch gleich das potentielle Wetter auf der Tour im Blickfeld 😉 ). Denn soviel sei vorab verraten, es hat gestürmt und zwar nicht direkt geschneit, aber dafür hatten wir Eisregen, den uns der Wind ins Gesicht gepeitscht hat. Aber keine Sorge, wir hatten auch viel Glück mit dem Wetter und es warten viele Fotos auf euch!
Zurück zur Planung: die besten Informationsquellen waren einerseits die hervorragenden Bücher von Uwe Grunewald, “Island – Das Südliche Hochland: Die schönsten Wanderungen zwischen Landmannalaugar und Skógar” und “Island – Naturparadies am Polarkreis: Die schönsten Wanderungen auf der größten Vulkaninsel der Erde” und zum anderen die beiden Foren outdoorseiten.net und islandreise.info. In letzterem Forum ist Uwe Grunewald selbst aktiv und hat uns vor der Tour noch wertvolle Hinweise zu einer Alternativroute gegeben, danke dafür! Für unser Garmin-GPS haben wir die OSM-Karte “Summer II” von frikart.no verwendet.
1. Laugavegur
Relativ bald haben wir uns entschieden, dass wir den Laugavegur, einen der bekanntesten Fernwanderwege weltweit, unbedingt erleben wollen – auch wenn er vielbegangen ist und zu beiden Endpunkten in Landmannalaugar bzw. in der Þórsmörk (Thorsmörk) Pisten hinführen, über die mit Hochlandbussen auch Tagesausflügler von Reykjavík hingekarrt werden. Die Hütten stehen im Tagesabstand, sind meist über Monate voraus ausgebucht und wer wie wir mit Zelt unterwegs ist, muss sich dennoch an die Hütten (und Wege!) halten, denn die Route verläuft zur Gänze in einem Schutzgebiet. Was wir vorher nicht wussten und dann unterwegs erlebt haben – es gibt auch Gruppen, die zwar zelten, aber den Weg mit winzigen Tagesrucksäcken gehen und von Heinzelmännchen mit Allradjeeps ihr Gepäck von Hütte zu Hütte geführt bekommen. So, genug der Abschreckung, denn: so schlimm war der Trubel nicht und die Landschaft ist unglaublich abwechslungsreich, jeder Tag bietet neue unvergessliche Eindrücke! Der Laugavegur wird traditionell von Nord nach Süd begangen, also von Landmannalaugar in die Þórsmörk, da in dieser Richtung weniger Anstiege zu absolvieren sind. Die Länge der Strecke beträgt 55km, die in 3 bis 4 Tagen absolviert werden, abhängig davon, ob man in Hrafntinnusker übernachtet oder in einer langen Etappe direkt von Landmannalaugar nach Álftavatn geht.  Einen Vorteil des Tourismus möchten wir hervorheben: an allen Hütten außer in Hrafntinnusker gibt es Duschen mit Warmwasser für kostengünstige 4 EUR pro 5 Minuten (zusätzlich zur Zeltgebühr von fast 25 EUR pro Person). Ein echter Luxus und wir haben es wirklich geschätzt, nach den anstrengenden Tagen frisch geduscht in den Schlafsack zu schlüpfen.
Wir haben uns dafür entschieden, den Weg in der weniger begangenen Richtung von Süden nach Norden zu gehen, in der Hoffnung, damit ein wenig einsamer unterwegs zu sein, ungeachtet der zusätzlichen Höhenmeter und dafür 4 Tage eingeplant. Das hat eigentlich recht gut funktioniert und wir hatten oft vor und hinter uns in Sichtweite keine anderen Wanderer (wenn man die Hotspots mit Tagesausflüglern ausnimmt) und der Gegenverkehr ist eher geballt plus/minus zwei Stunden um die Mittagszeit aufgetreten.
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Den Laugavegur haben wir mit zwei anderen Wegen erweitert:
2. Fimmvörðuháls
Zu Beginn haben wir die Wanderung über den Pass Fimmvörðuháls vorangestellt. Diese startet in Skógar am Fuß des berühmten Wasserfalls und führt dann am Fluß entlang unzähliger Wasserfälle stetig bergan, bis zur Hütte Fimmvörðuskáli, die zwischen den beiden Vulkanen Eyjafjöll (ja, den kennt ihr, das ist der Vulkan, der 2010 den Flugverkehr lahmgelegt hat) und Katla liegt. Beide Vulkane liegen unter einer dicken Eisschicht, die Gletscher heißen Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull. Vom Pass führt der Weg auf der anderen Seite hinunter nach Básar und über den Fluß Krossa weiter in die Þórsmörk nach Langidalur. Diese Wanderung ist eine beliebte Tagestour für Isländer, zuerst geht es für ungefähr 14km von 20m auf 1036m hinauf und dann auf der anderen Seite 12km auf 260m hinunter (blaue Route). Diverse Gegenanstiege sind da noch nicht eingerechnet, in Summe dürften es zwischen 1300 und 1400m Anstieg sein, bei einer Trekkingtour mit schwerem Gepäck ist es ratsam, den Weg auf zwei Tage aufzuteilen, es ist immer noch anstrengend genug, wie ihr gleich im nächsten Post lesen werdet. Unser Weg über die rote Route waren 17km bis zum Pass und dann bis Langidalur 11,2km (Basecamp-Messung).
Den Beginn des Weges teilt man sich mit vielen Tagesausflüglern, die den Wasserfall bestaunen, die meisten nur von unten, manche von oben und wenige gehen die ersten paar Kilometer entlang der Wasserfälle. Ab der Brücke über die Skogar bei rund 7,5km (600m Höhe) gibt es zwei Möglichkeiten: die etwas einfachere und kürzere blaue Route oder die rote Route. Die blaue Route führt über die Hütte Baldvinsskáli (880m) auf den Pass zur Hütte Fimmvörðuskáli, die rote Route weiter entlang des Wassers an Wasserfällen vorbei direkt zur Fimmvörðuskáli (mit einem Abzweiger unterwegs zur Baldvinsskáli).
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Achtung: an keiner der beiden Hütten gibt es fließendes Wasser; überhaupt gibt es auf der blauen Route ab der Brücke bis Basár keine gesicherte Wasserversorgung (abgesehen ggf. vom Schmelzen von Schnee), auf der roten Route kann man ca. 1,5-2km vor dem Pass noch Wasser nachfüllen. Es gibt auch keine ausgewiesenen Zeltplätze, das Zelten bei den Hütten wird aber toleriert. Wir haben – tourbedingt, Erzählung folgt im nächsten Post – tatsächlich am Pass übernachtet, den Hüttenwirten ist das aber nicht wirklich recht, weil das Wetter rasch umschlägt und die drehenden Winde gefürchtet sind. Dazu kommen noch schlecht ausgerüstete Trekker mit ungeeigneten Zelten, das Risiko ist ihnen zu hoch. Den Hüttenwirten ist es lieber, wenn die Zelte bereits bei der Baldvinsskáli aufgestellt werden, das Plateau dort ist etwas geschützter.
Das bringt mich gleich zum nächsten Thema: unterschätzt nie, wie extrem 1000m Höhe in Island sind, auf die Alpen umgerechnet könnte man das vielleicht mit 2.500m vergleichen. Fimmvörðuháls ist gefürchtet für seine Stürme und binnen kurzer Zeit einfallenden Wolken bzw. Nebel. Daher bitte: informiert euch über die Bedingungen (safetravel.is) und über das Wetter (vedur.is), startet nur bei guten Bedingungen und bereitet euch für schlechteste Bedingungen vor: Goretex Jacke und Hose, zusätzliche wärmende Schichten, Handschuhe, Haube, Notbiwak (für Tages- und Hüttentouren, sonst habt ihr ja euer Zelt), etc.
Bei Schönwetter kann man den Weg nicht verfehlen, er ist überall gut markiert, bei dichtem Nebel habt ihr aber kaum eine Chance, euch zu orientieren. Der Hüttenwirt auf der Fimmvörðuskáli, der den Berg wie seine Westentasche kennt, hat kurz vor unserem Besuch seinen Kollegen auf der Baldvinsskáli besucht und ist am Rückweg – er ging die direkte Route querfeldein – herumgeirrt! Eine ähnliche Warnung gilt auch für Hrafntinnusker auf dem Laugavegur.
Keine Tour ohne GPS-Gerät für Notfälle!
Hier ist ein Foto der Infotafel, auf dem man die blaue und die rote Route gut erkennen kann. Auf dieser Tafel sind auch die 2010 entstanden Schlackenkegel Magni (82 m Höhe) und Móði (47 m Höhe), benannt nach den Söhnen Thors, eingezeichnet.
Fimmvörðuháls InfotafelFimmvörðuháls Infotafel, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 28mm, 1/640s, Blende 8, ISO 200
3. Hellismannaleið
Als Abschluss unserer Tour haben wir uns den Hellismannaleið ausgesucht, eine 3-tägige Verlängerung des Laugavegur. Dieser Weg ist weit weniger bekannt und wird eher selten begangen. Er führt von Landmannalaugar über Landmannahellir und Áfangagil nach Rjúpnavellir. Wir haben unser Notfall-GPS während der Tour nie eingeschaltet, da wir nicht so viele Batterien mitschleppen wollten. Nachdem keine Notfälle eingetreten sind, haben wir das GPS dann am Ende doch mitlaufen lassen und können euch so einen GPS-Track des Hellismannaleið anbieten.
Unser GPS zeigte 56,1km mit 1650m Anstiegen und 2210m Abstiegen an. Die Höhendaten bitte mit Vorsicht genießen, sie kommen mir zu hoch vor, meine händische Abschätzung in der Vorbereitung der Tour anhand der Karte ergab geringere Werte. Die genannten Zeiten sind Gesamtzeiten, inkl. Pausen, Fotostops, Wechsel auf Furtschuhe, etc. die Geschwindigkeit ist ebenso inkl. dieser Pausen berechnet, zusätzlich daher die Angabe der “Zeit in Bewegung” gemäß GPS.

  • Landmannalaugar-Landmannahellir: 17,1km; 10:00 – 16:45; 2,5km/h; (5h; 3,6km/h); 820m/900m (+/-)
  • Landmannahellir-Áfangagil: 21,5km; 9:30 – 18:15; 2,5km/h (5h30min; 4km/h); 440m/770m (+/-)
  • Áfangagil-Rjúpnavellir: 17,5km; 5:00 – 10:45; 3km/h (4h25min; 4,1km/h); 390m/540m (+/-)
Landmannalaugar-Landmannahellir, ©  — mm,
Landmannahellir-Afangagil, ©  — mm,
Afangagil-Rjupnavellir, ©  — mm,
Zum Abschluss hier noch eine Google Maps Karte der gesamten Route (mit einem Klick aktiviert ihr die Karte und sie lässt sich dann gewohnt bedienen bzw.mit dem Button rechts oben auch als Vollbild im eigenen Fenster öffnen). An dieser Stelle noch einmal der Hinweis, dass nur der Hellismannaleið von uns mit GPS getrackt wurde, die beiden anderen sind manuell in Basecamp gezeichnet.

1 reply
  1. Wolfgang
    Wolfgang says:

    Liebe Elisabeth, lieber Markus,

    ich fürchte, Ihr sorgt dafür, dass ich Probleme mit meinem Arbeitgeber bekomme, weil ich in Gedanken andauernd in Schweden, und jetzt Island bin. Nachdem ich immer wieder mit Euch virtuell (und nächstes Jahr hoffentlich wirklich) den Kungsleden abgewandert bin, nun schon wieder so wunderbare Reiseerzählungen und vor allem wieder absolut großartige Bilder, an denen man sich nicht sattsehen kann.
    Einfach vielen vielen Dank, dass Ihr uns an Euren Reisen teilhaben lässt und bitte fahrt noch ganz viel fort

    liebe Grüße

    Wolfgang

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