Fossabrekkur

Tag 12: Hellismannaleið – Áfangagil nach Rjupnavellir (17 km)

Wettlauf mit dem Sturm

von

Unser Wecker läutet wie geplant um 4 Uhr morgens. Ein Blick aus dem Zelt zeigt einen klaren Himmel und Morgendämmerung. Unser Plan scheint aufzugehen! Wir packen rasch unsere Sachen und sind um 5 bereits beim Aufstieg aus der Schlucht Áfangagil. Der Aufstieg fällt uns schwer, gleich in der Früh steil bergauf, muss das sein? Allerdings wird es ziemlich der einzige Aufstieg bleiben, heute geht es tendenziell bergab. Der Weg führt am Hang des Aldan entlang. Mittlerweile haben wir strahlenden Sonnenschein, leichten Wind und im Abstieg einen schönen Blick auf die Hekla, deren Gipfel in den Wolken liegt.

Hekla (1491m) im Morgenlicht (6:30)Hekla (1491m) im Morgenlicht (6:30), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/100s, Blende 11, ISO 200
Endlose WeitenEndlose Weiten, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 11, ISO 200

Der Weg ist wieder steinig, diesmal aber relativ fest und so kommen wir leicht voran. Wir wählen ein hohes Tempo, gehen teilweise auch Nordic-Walking-Stil, wenn es der Weg erlaubt – schließlich wollen wir vor dem Sturm in Rjupnavellir ankommen. Die spätere Auswertung zeigt streckenweise ein Tempo über 5 km/h, trotz Rucksack. Fotos gibt es heute nur wenige, ebenso Pausen, wir machen nur die notwendigsten Stops.
Das nächste Bild zeigt wieder einen Schlackenkegel, dort sieht man auch ein schmales Lavafeld, auf das wir nun über den Hügel und die grüne Ebene des folgenden Bildes zusteuern. Zirka in der Mitte der Ebene werden wir dann wieder die Piste F225 queren.

Hekla (1491m) und ein Schlackenkegel (links)Hekla (1491m) und ein Schlackenkegel (links), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/100s, Blende 8, ISO 200
Kurz vor 7 werfen wir lange SchattenKurz vor 7 werfen wir lange Schatten, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/250s, Blende 8, ISO 200

Wir erreichen das Lavafeld um ungefähr 7:30 Uhr und wundern uns, wer hier sein Kind im Buggy auf Trekkingtour mitnimmt ;-).
Lavastrom eines Hekla AusbruchsLavastrom eines Hekla Ausbruchs, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/400s, Blende 8, ISO 200
Ungefähr eine Stunde später ist dieses Foto entstanden, die Landschaft hat sich mittlerweile verändert, der Boden ist nun schwarz und weiß, auch ein Ergebnis der vulkanischen Aktivitäten. Die dunklen Elemente sind Schlacke, die hellen Steine Bimsstein. Wenig später erreichen wir einen Nebenarm des Flusses Ytri-Rangá, dem wir nun nach Süden folgen.

Schwarz / WeissSchwarz / Weiss, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/160s, Blende 8, ISO 400
Entlang eines Nebenarm der Ytri-Rangá (Blick zurück)Entlang eines Nebenarm der Ytri-Rangá (Blick zurück), © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 16mm, 1/100s, Blende 8, ISO 400

Um 9:15 Uhr erreichen wir Fossabrekkur, einen 100 m langer Wasserfall der Ytri-Rangá. Mit Schafen auf den kleinen Inseln, was sonst!

Island2017_85A0191-2Island2017_85A0191-2, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/125s, Blende 8, ISO 400
FossabrekkurFossabrekkur, © Markus Proske — Canon EOS 5D Mark IV, EF16-35mm f/4L IS USM, 35mm, 1/80s, Blende 8, ISO 400

Man sieht es den Bildern noch nicht an, aber mittlerweile kommt ein kräftiger Wind aus Südost (also von schräg vorne) und es regnet. Fotos in Gehrichtung sind nicht mehr drin, die Linse ist sofort benetzt. Generell ist es durch den Wind recht kalt, die leichten Laufhandschuhe sind bald durchnässt und zum ersten Mal auf der Tour muss ich auf die warmen Haglöfs Regulus Handschuhe wechseln.
In einer kleinen Schlucht furten wir einen Nebenarm der Ytri-Rangá kurz vor dessen Einmündung. Es regnet, mir ist kalt und ich will mir die Schuhe nicht ausziehen. Ich balanciere daher wagemutig (unüberlegt) über etwas höhere im Wasser liegende glitschige Steine. Das geht zuerst ganz gut, aber dann kommt, was kommen muss: ich rutsche ab und lande nach einem beherzten Sprung nach vorne im bereits etwas flacheren Wasser in Ufernähe und so rinnt es mir gerade nicht in die Schuhe. Elisabeth hat keine Lust auf derartige Erfahrungen und während sie Schuhe und Socken auszieht, durchlatscht und alles wieder anzieht, esse ich ein Snickers – und sie merkt es nicht einmal :).
Über eine massive Brücke queren wir später die Ytri-Rangá und dann geht es geradewegs nach Süden nach Rjupnavellir. Der letzte Teil der Strecke ist zweispurig ausgetretener (Pferde)weg und entsprechend langweilig. Der Wind kommt nun stark von vorne, der Regen wird stärker, aber alles noch im Rahmen. Die Wolken voraus: bedrohlich!
Die letzten vier Kilometer ziehen sich, aber um 10:30 Uhr erreichen wir nach 17,7km Rjupnavellir. Auf der kleinen Veranda sitzen die beiden Kanadier, die wir schon in der Þórsmörk beim Aufstieg getroffen haben. Wir haben nun bis 15:30 Zeit, dann kommt der Bus, der uns nach Reykjavík zurückbringen wird. Um 11 Uhr erreicht der Sturm unsere Hütte, der Wind peitscht den Regen vor sich her, alles wackelt und scheppert. Jetzt ist es so richtig unfreundlich da draußen und wir sind froh, dass unser Plan so perfekt aufgegangen ist. Wir haben doch tatsächlich unsere gesamte Island-Tour wie geplant begangen und – typisch Lustwandler – wieder mal ziemliches Glück mit dem Wetter gehabt. Was wir jetzt noch nicht wissen: Fimmvörðuháls ist wegen des Sturms gesperrt und der Laugavegur wird ebenfalls gesperrt und bleibt es auch für den folgenden Tag, wie wir in der Rezeption am Campingplatz in Reykjavík sehen: nicht wegen des Sturms, sondern wegen der hohen Wasserstände der Flüsse, die aus den bei uns knietiefen Furten sehr tiefe Furten mit starker Strömung gemacht haben.
Wir verbringen die lange Wartezeit auf den Bus mit Essen, Trinken, Tratschen und Lesen und ziehen dabei immer mehr Schichten Gewand an, auf der zugigen Veranda ohne Bewegung wird es schnell kalt. Der Trex-Bus kommt mit deutlicher Verspätung und dann folgt die Rückfahrt, wie üblich mit einigen Stops, bei einem kaufen wir Sandwiches. Die Aussicht bei der Rückfahrt ist bescheiden, dichter Regen und angelaufene Scheiben im Bus, außerdem tropft es im Bus durch die geschlossenen Dachluken herein. Am Campingplatz bauen wir um 18:15 unser Zelt im Regen auf und gehen dann noch schnell einkaufen: Schokolade, Duschbad, Zahnpasta und ein Hotdog vom Stand beim Schwimmbad für den Weg. Danach passiert nicht mehr viel: duschen, ein bissl lesen und dann fallen uns auch schon die Augen zu.

Epilog

Damit endet der Trekking-Part unseres Reiseberichts, insgesamt haben wir mit den Touren in Landmannalaugar etwa 170 km und tausende 😉 Höhenmeter zurückgelegt. Details findet ihr im Post zur Route. Es folgt demnächst noch ein Post über die Tage, die wir bis zu unserem Rückflug in Reykjavík verbracht haben.
Seit der Tour sind nun einige Monate vergangen und wir waren zwei Monate später noch auf einer großartigen Herbsttour im schwedischen Fjäll (das wird der nächste Reisebericht hier auf Lustwandler!). Island war jedenfalls unsere bisher spektakulärste Trekkingtour. Die Landschaft ist unheimlich vielfältig, oft kommt man nach nur wenigen Kilometern in eine ganz andere Landschaft, das gilt speziell für den Laugavegur. Die Erinnerung an diese Tour ist ein stetiger Begleiter, wir denken oft an diese 10 Tage zurück. “Vikings”-Fans anwesend? Achtung, Spoiler (Staffel 5): Flóki entdeckt das Land der Götter und steht staunend am Fuß des Skogafoss – genau wie wir heuer. Dann kehrt er heim, erzählt von diesem wundervollen Land und plant seine baldige Rückkehr in das Land der Götter – und wir tun das auch!

Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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